Antidepressiva und Stillen lassen sich vereinbaren

Über den Nährstoffgehalt ihrer Milch müssen sich Mütter keine Sorgen machen, wenn sie Antidepressiva oder antientzündliche Medikamente nehmen.
Nehmen stillende Frauen Antidepressiva oder antientzündliche Medikamente ein, dann reduziert sich zwar der Nährstoffgehalt in ihrer Muttermilch, bleibt aber im Normalbereich. Das berichten Forschende aus Schweden und den USA im Fachblatt JAMA Network Open.
Erstautorin Essi Whaites Heinonen von der Abteilung für Pädiatrie am Karolinska-Institut in Stockholm und ihre Kolleg:innen von der University of California in San Diego betonen, dass ihre Ergebnisse nichts an den Stillempfehlungen änderten für Mütter, die solche Medikamenten einnehmen.
Dem stimmen auch nicht an der Studie beteiligte Expert:innen zu, etwa Anna Gavine, Senior Lecturer an der Mother and Infant Research Unit der University of Dundee, Schottland: Die Ergebnisse dürften nicht dazu führen, dass affektive Störungen, wie etwa postpartale Depressionen, nicht ausreichend medikamentös behandelt würden oder dass Frauen grundlos auf das Stillen verzichteten.
Die Forschenden analysierten 384 Muttermilchproben von stillenden Müttern in den USA und Kanada: 179 Frauen nahmen selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI), monoklonale Antikörper, systemische Kortikosteroide oder andere antientzündliche Medikamente ein. 141 Frauen litten an den gleichen Grunderkrankungen, waren aber unbehandelt, und 64 Frauen waren gesunde, unbehandelte Mütter.
Sie ermittelten und verglichen den Gehalt an Protein, Fett, Kohlenhydraten und Energie in der Muttermilch der drei Gruppen. Als mögliche Störfaktoren wurden dabei Alter von Mutter und Kind, Parität, Body-Mass-Index der Mutter, Geschlecht des Kindes, ob ausschließlich gestillt wurde, Stillhäufigkeit, Zeitpunkt der Probennahme, mütterlicher Cannabiskonsum und berufliche Tätigkeit der Mutter berücksichtigt.
In der Muttermilch der mit einer der vier Medikamentenklassen behandelten Frauen waren die Proteinkonzentrationen 15–21 % niedriger als bei den gesunden Müttern (1,08 g/100 ml). Frauen, die SSRI einnahmen, hatten im Schnitt 0,92 g Protein pro 100 ml Muttermilch. Bei der Einnahme monoklonaler Antikörper waren es 0,85 g/100 ml, bei Kortikosteroiden 0,88 g/100 ml und bei anderen antientzündlichen Medikamenten 0,85 g/100 ml. Nach Berücksichtigung der Störfaktoren waren die Unterschiede nur noch für SSRI und Kortikosteroide statistisch signifikant.
Weitere Unterschiede fanden die Forschenden beim Fett- und Energiegehalt der Muttermilch: In den Proben von Müttern, die andere antientzündliche Medikamente einnahmen, war 10–22 % weniger Fett und Energie enthalten (3,40 g/100 ml für Fett und 69,56 kcal/100 ml für Energie) als in der Muttermilch der gesunden, unbehandelten Müttern (3,85 g/100 ml für Fett und 77,16 kcal/100 ml für Energie) und der Mütter mit der gleichen, aber unbehandelten Grunderkrankung (4,38 g/100 ml für Fett und 80,60 kcal/100 ml für Energie).
Nach Adjustierung war aber nur der Unterschied im Fettgehalt im Vergleich zu den Müttern mit der gleichen, aber unbehandelten Grunderkrankung statistisch signifikant. »Die Unterschiede waren klein und im Allgemeinen nicht konsistent, was dafür spricht, dass Frauen, die diese Medikamente einnehmen, sich keine Sorgen über den Makronährstoffgehalt ihrer Milch machen müssen«, so Gavine.
Darüber hinaus habe es zwischen den Gruppen keine statistisch signifikanten Unterschiede beim Kohlenhydrat- und Energiegehalt gegeben. »Das heißt, diese Medikamente haben keinen Einfluss darauf, welche Menge an Energie das Baby erhält. Dieses Ergebnis wird in dem Paper nicht ausreichend hervorgehoben«, kritisiert sie.
Quelle: Whaites Heinonen, E., Bertrand, K., & Chambers, C. (2025). Macronutrients in Human Milk Exposed to Antidepressant and Anti-Inflammatory Medications. JAMA network open, 8(1), e2453332. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2024.53332 · aerzteblatt.de, 15.1.2025 · DHZ