Mother Hood e.V.

Gutachterliche Empfehlungen verfehlen das Ziel einer qualitativ hochwertigen Geburtshilfe

Das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in Auftrag gegebene und aktuell veröffentlichte Gutachten zur stationären Hebammenversorgung offenbare akute Missstände in der geburtshilflichen Versorgung von Familien, zu diesem Ergebnis kommt die Bundeselterninitiative Mother Hood e.V. nach Durchsicht des vom IGES Institut durchgeführten Gutachten. Die darin vorgeschlagenen Maßnahmen liefen dem Nationalen Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“ zuwider, heißt es au sder Elterninitiative.

„Wir sehen die Missstände in der Geburtshilfe bestätigt, auf die Eltern schon seit Jahren aufmerksam machen”, sagt Katharina Desery vom Mother Hood Vorstand. „Die Versorgung von Müttern und Kindern ist in einem Land mit einem der teuersten Gesundheitssysteme allenfalls mittelmäßig.“

Die akuten Missstände äußern sich insbesondere in folgenden im Gutachten bestätigten Problemfeldern: fehlende Eins-zu-eins-Begleitung, Abweisungen von Frauen mit Wehen, hohe Arbeitsbelastung von Hebammen sowie GynäkologInnen und Schwierigkeiten mit der Stellenbesetzung.

Das Gutachten schlägt am Ende Maßnahmen für eine bessere Versorgungssituation vor. Dazu zählen weniger Klinikstandorte, höhere Gehälter für Hebammen sowie die Entlastung von fachfremden Aufgaben, wie etwa Reinigungsarbeiten.

Eine bessere geburtshilfliche Versorgung werde aber nur erreicht, wenn sich Veränderungsprozesse einerseits an den Bedürfnissen von Frauen, Kindern und ihren Familien sowie andererseits an wissenschaftlich begründeten Annahmen orientierten. Das gebe auch das Nationale Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt vor. Beide Ansätze fehlten im Gutachten. Das BMG habe bisher die Bedürfnisse von Familien nicht erfasst, heißt es aus dem Vorstand von Mother Hood. 

Auch die Bewertungsbasis für die vorgeschlagenen Maßnahmen sei wissenschaftlich nicht fundiert. Die Personalvorgaben in der im Gutachten angeführten medizinischen Leitlinie stammen aus dem Jahr 1986 und seien veraltet. Die im Gutachten zugrunde gelegten zumutbaren 40 Autominuten zum nächsten Kreißsaal entbehrten ebenfalls einer wissenschaftlichen Grundlage, heißt es von Mother Hood. Auf dieser Basis seien die Vorschläge zur Schließung von Geburtsstationen mit weniger als 600 Geburten im Jahr sowie zur Personalbemessung hinfällig.

Die vollständige Einschätzung zum Gutachten kann im Internet unter > www.mother-hood.de/presse/gutachten-bmg.html nachgelesen werden.

Quelle: Mother Hood e.V., 14.1.2020

Rubrik: Politik & Gesellschaft

Erscheinungsdatum: 15.01.2020