Schleswig-Holstein

Hebammen fordern: Geburtshilfe im Land muss Chefsache werden

Der Hebammenverband Schleswig-Holstein hat wenige Tage vor der Landtagswahl gefordert, dass der künftige Ministerpräsident die Geburtshilfe im Land zur Chefsache macht. In dieser Legislaturperiode sei nicht genug für die Hebammen und die werdenden Mütter getan worden, sagte die Verbandsvorsitzende Anke Bertram am 5. Mai in Flensburg anlässlich des Internationalen Tags der Hebammen. Die Situation der Geburtshilfe im Land sei katastrophal. Seit dem Jahr 2000 wurden den Angaben zufolge 14 von damals 32 Kreißsälen geschlossen – zuletzt etwa in Eckernförde (2021) und in Ratzeburg (2022).

Nach Ansicht der Hebammen bedeutet dies für Frauen weitere Wege, längere Fahrtzeiten, eine Gefährdung in Notfallsituationen sowie eine schlechtere Versorgung. Die Behauptung, in Kliniken mit wenig Geburten sei die Versorgungsqualität schlechter, sei nicht nachvollziehbar. Das Risiko etwa, das sich durch einen verlängerten Anreiseweg zur Klinik ergebe, werde beispielsweise nicht erfasst, sagte die Verbandsvorsitzende.

Meldungen über Geburten in Autos, Rettungswagen oder sogar auf dem Seenotrettungskreuzer hörten sich zunächst an wie nette Anekdoten, man sehe aber nicht, was dahinterstecke, sagte die Hebamme Dorothee Ramminger. Irgendwann würden sich solche Fälle häufen und dann vielleicht nicht mehr gut ausgehen, befürchtet sie.

Sie selbst habe es in sechs Monaten drei Mal erlebt, dass Frauen es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus schafften und ihr Kind zu Hause bekommen mussten. Obwohl alles gut gegangen sei, sei es für die Frauen eine extrem schockierende und überfordernde Situation gewesen.

Der Verband fordert daher eine Kehrtwende in der Geburtshilfepolitik. Diese müsse Teil der medizinischen Grundversorgung und vom Land aus koordiniert werden.

Quelle: dpa, 5.5.2022 · DHZ

Rubrik: Regionales

Erscheinungsdatum: 05.05.2022