Systematisches Review

Hilft eine Hormonsubstitution bei Schlafstörungen?

  • Im Dunkeln schüttet der Körper das Hormon Melatonin aus, das eine schlaffördernde Wirkung hat. Kann es bei Schlafstörungen auch substituiert werden?

  • Im Dunkeln wird das Schlafhormon Melatonin produziert und macht schläfrig. Ob zusätzlich gegebenes Melatonin, ergänzend zur Schlafhygiene helfen kann, wurde nun untersucht.

    Bisherige Untersuchungen dazu ergaben eher widersprüchliche Ergebnisse. Daher führten chinesische und amerikanische ForscherInnen nun eine Literaturrecherche und Metaanalyse zu dieser Frage durch. Dabei konzentrierten sie sich besonders auf die Wirksamkeit von zusätzlich eingenommenem Melatonin im Vergleich zu einem Placebo zur Behandlung von Schlafstörungen.

    Die ForscherInnen untersuchten sieben geeignete randomisiert-kontrollierte Studien (RCT) mit insgesamt 205 PatientInnen. Es zeigte sich, dass zusätzliches Melatonin tatsächlich mehrere positive Effekte auf den Schlaf der StudienteilnehmerInnen hatte. Die Schlaflatenz wurde dadurch gesenkt. Das heißt, nach dem Zubettgehen schliefen die TeilnehmerInnen mit Melatonineinnahme schneller ein als die TeilnehmerInnen mit Placebo. Auch die gesamte Schlafdauer erhöhte sich mit dem ergänzend genommenen Hormon. Allerdings fand sich kaum ein Effekt auf die sogenannte Schlafeffizienz. Die Schlafeffizienz ist ein Maß dafür, wie viel Zeit schlaflos im Bett verbracht wird. Typischerweise empfinden Menschen eine Schlafeffizienz von 90 % und mehr als akzeptabel. Dies bedeutet etwa, dass beispielsweise von knapp acht Stunden im Bett etwas mehr als sieben Stunden geschlafen wurde.
    Aus der Gesamtanalyse zeigte sich demnach ein messbarer Effekt von zusätzlich eingenommenem Melatonin auf die Einschlafzeit und die Schlafdauer. Wie lange die Betroffenen allerdings schlaflos im Bett lagen, wurde offenbar kaum vom Melatonin beeinflusst. Weitere Untersuchungen sollten diese Ergebnisse bestätigen – jedoch deutet die Analyse auf einen wertvollen Beitrag von ergänzend gegebenem Melatonin für PatientInnen mit Schlafstörungen hin.

    Quelle: Li T et al.: Exogenous melatonin as a treatment for secondary sleep disorders: A systematic review and meta-analysis. Frontiers in Neuroendocrinology 2019. (51)DGP, 6.3.2019 DHZ

    Rubrik: Medizin & Wissenschaft

    Erscheinungsdatum: 10.07.2019