Baden-Württemberg

Klinik und Hebammenverband tauschen sich aus

Jutta Eichenauer, Vorsitzende des Hebammenlandesverbandes Baden-Württemberg, schätzt den Schritt der Klinik Bruchsal, den Kreißsaalbetrieb seit Anfang Juni zwischen 17 und 7 Uhr einzustellen. Das zeuge von Verantwortung und Qualität. Wenn so ein Schritt Schule mache, würde die schon seit langem herrschende Not in den Kreißsälen in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen.

Anlässlich der nächtlichen Kreißsaalschließung in Bruchsal hat Susanne Jansen, Regionaldirektorin der Kliniken des Landkreises Karlsruhe, den Berufsverband der Hebammen Ende Juni um ein Gespräch gebeten. Nach Ansicht von Jutta Eichenauer hat sich Susanne Jansen schnell mit der gesamten Bandbreite der Probleme auseinandergesetzt und nach den Ursachen geforscht. Sie entwickele derzeit ein Konzept zur Verbesserung. Jutta Eichenauer konnte von Seiten des Hebammenverbands noch Anregungen beitragen: Mit Blick auf die Entwicklung von Standards sei der Expertinnenstandard zur Förderung der physiologischen Geburt von großer Bedeutung. Wenn Hebammen in besonderen Funktionen arbeiten sollen, sei es notwendig, diese mit den entsprechenden Kompetenzen auszustatten.

Jansen bestätigte, dass eine bessere Honorierung tatsächlich ein nachrangiges Bedürfnis sei. Vielmehr stehe an erster Stelle die nicht vorhandene Wertschätzung gegenüber dem Hebammenberuf. Doch dies verändere sich derzeit in Bruchsal. Eichenauer meinte dazu, dass hier für die Hebammen die Möglichkeit entstehe, mitzugestalten und damit exemplarisch für andere Kreißsäle zur Verbesserung der Geburtshilfe für Mutter und Kind beizutragen. Letztlich wäre das ein Beitrag zu einer hohen Arbeitszufriedenheit der Hebammen.

Es ist längst nicht üblich, dass Klinikbetriebe VertreterInnen von Berufsständen um Rat fragen. In der Regel würden sie zu Gesprächen dieser Art oder zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch nicht eingeladen; vielmehr seien sie schon einmal ausgeladen worden. Umso erfreulicher sei diese erste Begegnung mit Susanne Jansen.

(Hebammenlandesverband Baden-Württemberg, 1.7.2015)

Rubrik: Regionales

Erscheinungsdatum: 17.07.2015