Adipositas

Metformin ohne Einfluss auf Geburtsgewicht

Eine Therapie mit dem Diabetesmedikament Metformin kann bei adipösen Schwangeren nicht die Geburt eines Kindes mit einem hohen Geburtsgewicht verhin­dern. Zu diesem Ergebnis kommt eine randomisierte klinische Studie in Lancet Diabetes and Endocrinology.

Eine Adipositas von Schwangeren erhöht nicht nur das Risiko auf Schwangerschafts­komplikationen wie Präeklampsie, Totgeburt oder Frühgeburt. Epidemiologische Studien deuten auch darauf hin, dass die Kinder von adipösen Müttern später häufig selbst adipös sind und unter den Folgekrankheiten leiden. Als Wirkungsmechanismus wird eine Insulinresistenz und eine Hyperglykämie während der Schwangerschaft diskutiert.

Da Metformin, das orale Antidiabetikum der ersten Wahl, auch während der Schwanger­schaft sicher ist, lässt der British Research Council in einer Studie derzeit klären, ob eine Behandlung mit Metformin bei adipösen Frauen Schwangerschaftskomplikationen verhindern und eine Makrosomie der Neugeborenen vermeiden kann.

An der „Effect of metformin on maternal and fetal outcomes in obese pregnant women“ - oder EMPOWaR-Studie - nahmen an 15 Zentren 449 Frauen teil, die in der 12. bis 16. Schwangerschaftswoche einen mittleren Body Mass Index (BMI) von 37 hatten und damit eindeutig als adipös einzustufen waren. Die Teilnehmerinnen hatten keine erhöhten Nüchternblutzuckerwerte und auch der orale Glukosetoleranztest war nicht auffällig. In der randomisierten Doppelblindstudie nahmen sie ab der 12. bis 16. Woche bis zur Geburt entweder Metformin oder ein Placebo ein. Die Anfangsdosis von Metformin betrug 500 Milligramm pro Tag. Sie wurde im Wochenabstand um weitere 500 Milligramm erhöht bis zu einer Maximaldosis von 2.500 Milligramm, soweit dies toleriert wurde. Primärer Endpunkt war das Geburtsgewicht.

Anders als erwartet, hatte Metformin keinen Einfluss auf das Geburtsgewicht. Wie das Team um Jane Norman von der Universität von Edinburgh berichtet, wogen die Neugeborenen in beiden Studien-Armen im Durchschnitt etwa 3.460 Gramm, was in etwa dem durchschnittlichen Geburtsgewicht der Kinder von nicht-adipösen Frauen entspricht. Metformin hat auch keinen Einfluss auf die Schwangerschaftskomplikationen, die Rate einer Schwangerschaftshypertonie (10 versus 6 Prozent) oder eine Präeklampsie (3 versus 1 Prozent) war im Metformin-Arm sogar tendenziell höher. Nur die Rate eines Gestationsdiabetes (18 versus 24 Prozent) war niedriger und es wurden seltener Kaiserschnitte (30 versus 34 Prozent) durchgeführt. Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant und Metformin leistete hier keinen Beitrag zur Normalisierung.

Norman bezweifelt aufgrund der Ergebnisse sogar die von Dänischen Internisten 1952 aufgestellte Hypothese, wonach die Hyperglykämie die Ursache für die häufige Makro­somie der Neugeborenen von diabetischen Müttern ist. Da die Teilnehmerinnen der Studie jedoch keine diabetische Stoffwechsellage hatten, erscheinen diese Zweifel allerdings voreilig. Ebenso voreilig dürfte die Befürchtung sein, dass eine Adipositas in der Schwangerschaft regelmäßig zum Gestationsdiabetes führt. Die Forscher wollen die Kinder weiter beobachten, um herauszufinden, ob sie im späteren Leben Nachteile durch die Adipositas ihrer Mütter während der Schwangerschaft haben.

(Chiswick, C. et al.: Effect of metformin on maternal and fetal outcomes in obese pregnant women (EMPOWaR): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet Diabetes & Endocrinology. 2015; aerzteblatt.de, 14.7.2015)

 

Rubrik: Schwangerschaft

Erscheinungsdatum: 15.07.2015