Italienische Pilotstudie

Mikroplastik in der menschlichen Plazenta

  • Plastikpartikel, die aus alten Plastikgegenständen stammen, finden sich laut einer italienischen Pilotstudie auch in der Plazenta wieder. Die Auswirkungen sind noch ungeklärt.

  • In Europa wurden im Jahr 2014 geschätzte 58 Millionen Tonnen Plastik produziert. Durch komplizierte Prozesse, atmosphärische Einflüsse wie Wellen, Abrieb oder ultraviolette Strahlung und Photooxidantien in Kombination mit Bakterien kommt es zum Abbau des Plastikmülls in Form von Mikro- und Nanopartikeln. Unter Mikroplastik versteht man Plastikpartikel, die aus alten Plastikgegenständen stammen und in die Umwelt gelangen. Sie sind kleiner als fünf Millimeter und können anschließend aus der Umwelt durch Menschen und andere Säugetiere wieder aufgenommen werden.

    Das Ziel einer experimentellen italienischen Pilotstudie lag darin, ein mögliches Vorkommen und den Anteil von Mikroplastikpartikeln in der menschlichen Plazenta zu bestimmen.

    Eingeschlossen wurden sechs Frauen, die der Untersuchung ihrer Plazenta nach der Geburt zustimmten. Um eine Kontamination der Plazenta während der Geburt zu vermeiden, wurde auf den Einsatz von Plastik bei der Geburtsbegleitung und der Handhabung mit der Plazenta verzichtet. Die Ernährungsgewohnheiten und Verwendung von Kosmetika und Zahnpasten wurden anhand eines Fragebogens erfragt.

    Insgesamt wurden sechs Plazenten untersucht. Aus jeder Plazenta wurden drei Anteile aus der mütterlichen Seite, der kindlichen Seite und der Eihaut entnommen, die mit einem speziellen Mikroskop (Raman Microspectroscopy) untersucht wurden. Insgesamt wurden 12 Fragmente Mikroplastik (MPs) entdeckt, wobei 5 MPs aus der kindlichen Seite, 4 MPs aus der mütterlichen Seite und 3 MPs aus den Eihäuten stammten. Die Analyse der einzelnen MPs ergab, dass diese eine durchschnittliche Größe von ungefähr 10 Mikrometern hatten, wobei zwei MPs kleiner als 5 Mikrometer waren. Alle MPs waren pigmentiert, drei konnten als Polypropylen/thermoplastischer Kunststoff identifiziert werden. Die verbliebenen neun MPs konnten nur in ihrer Pigmentierung erkannt werden, die alle aus Farben und Kosmetikprodukten stammten.

    Die AutorInnen diskutieren, dass die Größe der MPs einen Transport über die Blutbahn sowie eine transplazentare Passage ermöglicht. Möglich sei eine Aufnahme über die mütterlichen Atem-/ Verdauungsorgane. Ein Zusammenhang zwischen vorliegenden Mikropartikeln, Immunreaktionen und bislang ungeklärten Reaktionen während der Schwangerschaft erfordert weitere Forschung, da die Entwicklung von Krankheiten wie Präeklampsie und kindlichen Entwicklungsstörungen begünstigt werden könnte.

    Die AutorInnen schlussfolgern, dass die Auswirkungen von Mikroplastikpartikeln in der Plazenta noch nicht abschließend geklärt ist, jedoch große Bedenken hinsichtlich potenziell negativer Auswirklungen auf die Gesundheit der Mutter und des Kindes bestehen.

    Ragusa A et al.: Plasticenta: First evidence of microplastics in human placenta. Environ Int 2021. 146, 106274. https://doi.org/10.1016/j.envint.2020.106274 DHZ

     

    Rubrik: Geburt

    Erscheinungsdatum: 21.01.2021