Cannabis in der Schwangerschaft

Schädlich oder sogar nützlich?

  • Cannabidoide können sich schädlich auf das Ungeborene auswirken – jedoch möglicherweise auch positiv auf einige schwangerschaftsassoziierte Krankheiten.

  • Cannabinoide wie THC sind plazentagängig und im Blut des Feten nachweisbar. Tierexperimentelle Studien zeigen, dass die Exposition mit Cannabinoiden zu einer Störung der Schwangerschaft führen kann.

    Umfragen des US-National Institute on Drug Abuse (NIDA) in Bethesda zeigen, dass zwischen 2002 und 2016 der Anteil der Schwangeren, die im vorausgegangenen Monat Cannabis konsumiert hatten, von 3,4 % auf 7,0 % gestiegen ist. Jede zehnte Schwangere in den USA greift demnach hin und wieder zu einem „Joint“.

    Mögliche Auswirkungen des Konsums haben Daniel Corsi vom Ottawa Hospital Research Institute und MitarbeiterInnen nun an den Daten von „Born Ontario“ (für „Better Outcomes Registry & Network“) untersucht. Erfasst wurden seit 2009 Daten zu allen Schwangeren des kanadischen Teilstaates. Während der Vorsorgeuntersuchung werden die Schwangeren zu ihrem Cannabiskonsum befragt.

    Von 661.617 Frauen mit Einzelschwangerschaften bejahten 9.427 diese Frage. Bei 12,0 % dieser Frauen kam das Kind vor der 37. Woche zur Welt. Bei den Frauen, die keinen Cannabiskonsum angegeben hatten, lag der Anteil nur bei 6,1 %.

    Die Cannabiskonsumentinnen wiesen allerdings häufiger Risikofaktoren auf, die nicht auf den Konsum zurückzuführen sind. Sie waren etwas älter, häufiger das erste Mal schwanger, hatten ein geringeres Einkommen, rauchten häufiger Zigaretten und hatten seltener regelmäßig an den Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen. Andererseits tranken sie seltener Alkohol und nahmen seltener Opioide ein. Dies alles kann die Ergebnisse epidemiologischer Studien verzerren.

    In einer zweiten Analyse, die Schwangere mit den gleichen Eigenschaften vergleicht, kam Corsi zu einem etwas anderen Ergebnis: Die Kinder waren bei der Geburt häufiger zu leicht für ihr Gestationsalter, es kam häufiger zu einer Plazentaablösung (1,6 % gegenüber 0,9 %) und häufiger zu einer Überweisung des Neugeborenen auf die Intensivstation (19,3 % gegenüber 13,8 %). Außerdem hatten die Kinder häufiger einen 5-Minuten-Apgar-Wert von weniger als 4 (1,1 % gegenüber 0,9 %). Die Unterschiede waren in allen diesen Endpunkten signifikant, so dass davon auszugehen ist, dass der Cannabiskonsum tatsächlich Nachteile für den Feten hat (auch wenn die Studie dies nicht abschließend beweisen kann).

    Für die Mütter fanden sich aber auch mögliche Vorteile. So kam es etwas seltener zu einer Präeklampsie (4,4 % versus 4,9 %) und zu einem Schwangerschaftsdiabetes (4,3 % versus 4,7 %). Auch hier gilt, dass die epidemiologische Studie den Vorteil nicht belegen kann.

    Etwas überspitzt könnte von einem Zielkonflikt ausgegangen werden. Der Cannabiskonsum in der Schwangerschaft könnte der Mutter nutzen (weniger Emesis, Gestose und Diabetes) und gleichzeitig dem Kind schaden (mehr Früh- und Mangelgeburten), wobei natürlich Gestose und Diabetes auch dem Kind schaden können.

    Quelle: Corsi D J et al.: Association Between Self-reported Prenatal Cannabis Use and Maternal, Perinatal, and Neonatal Outcomes. JAMA 2019 doi:10.1001/jama.2019.8734 Volkow M D et al.: Self-reported Medical and Nonmedical Cannabis Use Among Pregnant Women in the United States. JAMA 2019 doi:10.1001/jama.2019.7982 aerzteblatt.de, 19.6.2019 DHZ