Qualitative Studie aus Wales

Studierende profitieren von Praxiseinsätzen in hebammengeleiteten Einrichtungen

  • Studierende profitieren in ihrer Hebammenausbildung von Praxiseinsätzen in hebammengeleiteten Einrichtungen.

  • Im Rahmen einer qualitativen ethnografischen Studie in Wales (UK) wurden tägliche Arbeitssituationen zwischen Hebammen-Mentorinnen und Studierenden der Hebammenwissenschaften beobachtet und evaluiert. Neben den Beobachtungen wurden von den beiden Gesundheitswissenschaftlerinnen Sarah Norris und Fiona Murphy semi-strukturierte Interviews mit den Teilnehmerinnen durchgeführt. Die Daten wurden anhand einer thematischen Analyse ausgewertet. Ausgewertet wurden Daten eines Zeitraums von 14 Monaten zwischen 10 willkürlich ausgewählten Mentorinnen-Studierenden-Teams einer hebammengeleiteten Einrichtung  in Wales (UK), die einen Teil des NHS National Health Service (NHS) bildet. Das Ziel der Studie bestand darin, sowohl das Lernen als auch das Lehren aus Sicht von Hebammen-Mentorinnen und Studierenden der Hebammenwissenschaften im jeweiligen Kontext zu erforschen und zu verstehen. Dazu wurde ein konzeptioneller Rahmen als analytisches Werkzeug erarbeitet, das auf weitere Arbeitssituationen übertragen werden kann.

    Drei zentrale Themen wurden identifiziert: die Praxis hebammengeleiteter Betreuung („practice of midwifery  led care“), Wege des Wissens in einer hebammengeleiteten Einrichtung („Ways of knowing in the midwifery led unit“) und studentenzentriertes Lehren und Lernen („being with student: teaching and learning, in the process of moving from the periphery“). Es zeigte sich, dass die Hebammenarbeit in einer hebammengeleiteten Einrichtung durch ein umfassendes Verständnis der physiologischen Geburt, eine positive Kommunikation mit der Gebärenden, die Gegenwart einer Vertrauensperson sowie das Treffen informierter Entscheidungen geprägt ist. Dies wird in einem Zitat wie folgt zusammengefasst: „Eine Hebamme kann die ganze Bandbreite ihres Hebammenwissens anwenden“. Dies trägt bei Hebammen zu einem positiven Grundverständnis bei, sich als „richtige“ und „ganzheitlich arbeitende“ Hebamme zu fühlen. Die Relevanz selbstständig und autonom zu arbeiten, wird als zentrales Anliegen von Hebammen in einer hebammengeleiteten Einrichtung verdeutlicht. Die Weitergabe von Wissen an Studierende der Hebammenwissenschaften erfolgt durch Beobachtung und Teilhabe, wobei Evidenzen auch hinterfragt werden dürfen, beispielsweise die Frage, was die „Normalität einer physiologischen Geburt“ umfasst.

    Die ethnografische Studie zeigte auf, dass dieses auf Wissen und Verstehen der physiologischen Geburt gründende Konzept zu einer positiven Arbeitsatmosphäre, glücklichen, selbstständig arbeitenden und motivierten Hebammen beiträgt. Diese Aspekte wiederum verstärken ein positives Geburtserlebnis.

    Im Zentrum des konzeptionellen Rahmens sehen die Autorinnen eine „Implicit Constitution“, eine Art Grundüberzeugung welche in Zusammenhang mit der kognitiven Ausbildung der Studierenden der Hebammenwissenschaften (cognitive apprenticeship), einer Legitimation der Teilhabe (legitimate peripheral participation) sowie den Grundüberzeugungen der Praxisgemeinschaft (Community of practice) steht. Die Autorinnen schlussfolgern, dass die Teilhabe von Studierenden der Hebammenwissenschaften in hebammengeleiteten Einrichtungen wichtig ist, da dadurch Expertinnenwissen von Hebammen an Studierende der Hebammenwissenschaften weitergegeben werden kann. 

    Norris S, Murpy, F: A community of practice in a midwifery led unit. How the culture and environment shape the learning experience of student midwives. Midwifery 2020. Doi: https://doi.org/10.1016/j.midw.2020.102685. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32200283

    Rubrik: Aus- und Weiterbildung

    Erscheinungsdatum: 27.03.2020