El Salvador

Vergewaltigungsopfer wegen Totgeburt zu 30 Jahren Haft verurteilt

Ein Gericht in El Salvador hat eine junge Frau, die Opfer einer Vergewaltigung wurde, wegen einer Totgeburt zu 30 Jahren Haft verurteilt. Wie die Menschenrechtsorganisation Acdatee mitteilte, wurde Evelyn Hernandez vergewaltigt und hatte nach einer achtmonatigen Schwangerschaft eine Fehlgeburt.

Das Gericht in der Stadt Cojutepeque verurteilte Henandez am Mittwoch wegen Mordes. Es folgte der Argumentation der Staatsanwaltschaft, die seinerzeit 18-Jährige habe nicht ausreichend für ihr ungeborenes Kind gesorgt.

Acdatee will das Urteil nun anfechten lassen. „Hernandez wurde ohne direkte Beweise für schuldig erklärt“, sagte die Sprecherin der Organisation, Morena Herrera. Die junge Frau habe die Vergewaltigung verschwiegen, weil ihre Familie bedroht worden sei. Sie habe ihre Schwangerschaft nicht bemerkt und das Kind im April vergangenen Jahres unter starken Schmerzen in ihrem Badezimmer zur Welt gebracht.

Schwangerschaftsabbrüche werden von der Justiz in El Salvador als Mord eingestuft. Selbst wenn Frauen aus gesundheitlichen Gründen ihr Kind verlieren, können sie in dem zentralamerikanischen Land zu langen Freiheitsstrafen verurteilt werden. Einige Abgeordnete unternahmen im vergangenen Jahr einen Versuch, Schwangerschaftsabbrüche zu entkriminalisieren. Doch sie scheiterten am Widerstand der konservativen Parteien.

(RP-online, 10.7.2017)

Rubrik: Recht

Erscheinungsdatum: 11.07.2017