Bertelsmann Stiftung

Viele Alleinerziehende: Arm trotz Arbeit

  • Rund 34 % der alleinerziehenden Familien beziehen Grundsicherung nach SGB II (Hartz IV).

  • Alleinerziehende und ihre Kinder sind einer Untersuchung zufolge in deutlich über­pro­por­tionalem Ausmaß von finanzieller Armut bedroht. Knapp 43 % aller Ein-Eltern-Familien gel­ten als einkommensarm, wie aus einer jetzt veröffentlichten Erhebung für die Bertelsmann Stiftung hervor­geht. Bei Paar-Familien mit einem Kind sind es dagegen 9 %, mit zwei Kindern trifft das für 11 % zu. Obwohl Alleinerziehende in den meisten Fällen erwerbstätig sind, können sie demnach trotzdem mit ihrem Einkommen für sich und ihre Kinder häufig nicht das Existenzminimum sichern.

    Das Armutsrisiko für Alleinerziehende – zu 88 % sind es Frauen – und ihre Kinder verharre auf ho­hem Niveau, betont Studienautorin Anne Lenze von der Hochschule Darmstadt. 2020 bezogen rund 34 % der alleinerziehenden Familien Grundsicherung nach SGB II (Hartz IV). Ihr Anteil liege damit fast fünfmal höher als bei Paar-Familien, sagte die Sozialrechtlerin. Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband sind Kinder und Jugendliche in erheblichem Ausmaß von Armut betroffen. Binnen zehn Jahren sei die Armutsquote Heranwachsender von 18,2 auf 20,5 % (2019) geklettert – mit nun rund 2,8 Millionen betroffenen Minderjährigen.

    Die Realität heißt laut Bertelsmann Stiftung nicht selten: Arm trotz Arbeit. Unter alleinerziehenden Müttern sind 71 % berufstätig, fast die Hälfte arbeitet in Vollzeit oder vollzeitnah. Unter den alleinerziehenden SGB-II-Beziehern sind 40 % erwerbstätig – kämen also ohne ein »Aufstocken« nicht über die Runden. Die Analyse stellt Daten zur relativen Einkommensarmut von 2019 und zum SGB-II-Bezug von 2020 nebeneinander – es handele sich um die jeweils aktuellsten Zahlen. Nach gängiger Definition gelten Menschen als armutsgefährdet, die über weniger als 60 % des mittleren Einkommens aller Haus­halte verfügen. Die Grenze lag 2019 für eine Alleinerziehende mit einem Kind bei 1.396 Euro.

    Quelle: aerzteblatt.de, 15.7.2021 ∙ DHZ

    Rubrik: Politik & Gesellschaft

    Erscheinungsdatum: 16.07.2021