Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

Vom Hörsaal in den Kreißsaal

Der Modellstudiengang Hebammenkunde konnte zusammen mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH) zum Wintersemester 2019 auf die Beine gestellt werden. Davon profitieren die Krankenhäuser in der Region: »Indem wir den Studierenden im Rahmen der Ausbildung ihre individuellen Möglichkeiten bei uns aufzeigen, arbeiten wir nachhaltig an einer für uns so wichtigen stabilen Personalstruktur.«, so Sabine Beiser, Geschäftsführerin der Klinik St. Hedwig.

Nicht umsonst stelle der Verbund der Barmherzigen Brüder mehr als die Hälfte der fachpraktischen Ausbildungsplätze für den dualen Studiengang. Die Studierenden lernen in einem Rotationssystem in den Häusern in Regensburg, Straubing, Schwandorf und Neumarkt alle Facetten ihres Berufs kennen. Dieses Angebot sei in Bayern einzigartig, denn hier könnten die Nachwuchshebammen Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen sammeln – von der Maximalversorgung im universitären Perinatalzentrum der Versorgungsstufe 1 in der Klinik St. Hedwig über kleinere Geburtshilfestationen im ländlichen Raum und außerklinische Geburtshilfe bis zu einer reinen Hebammenpraxis.

Inzwischen ist aus dem Modellstudiengang ein reguläres duales Studium geworden und ein zweiter Jahrgang konnte zum Wintersemester 2020 starten. Rund 700 Bewerberinnen für 22 Studienplätze verdeutlichten das steigende Interesse am Studiengang (im Vorjahr waren es noch 200) .

Für die Krankenhäuser der Barmherzigen Brüder habe sich das Engagement gelohnt. »Dieser Studiengang ist ein wichtiger Schritt heraus aus der Unterversorgung«, bestätigt auch Hebamme Astrid Giesen, Praxiskoordinatorin der Hebammenstudierenden. Die Barmherzigen kooperieren in Niederbayern und der Oberpfalz ausschließlich mit Beleghebammen. Diese 35 Beleghebammen betreuen den Nachwuchs rund um die Uhr.

Nach wie vor sei die Finanzierung des praktischen Ausbildungsteils mit Beleghebammen jedoch schwierig – als soloselbstständige Hebammen ist ihr Einsatz für die Studierenden ein Mehraufwand mit zusätzlichem Engagement. »Sie leisten etwa 25 % on top zu ihrer sonstigen Tätigkeit in unseren Häusern«, bestätigt Geschäftsführerin Beiser. »Das ist eine Lücke in der Finanzierung, die geklärt werden muss. Auf Dauer können wir die gesetzlich geforderte Qualität nur erfüllen, wenn die Mehrleistung der Beleghebammen entsprechend vergütet werden kann.« Inzwischen gebe es auf bayerischer Ebene eine Arbeitsgemeinschaft, die sich mit diesem Thema befasst.

»Schön wäre es nun noch, wenn die Auswahlkriterien der Studierenden an die tatsächlichen späteren Anforderungen angepasst werden könnten«, wünscht sich Praxiskoordinatorin Astrid Giesen. »Ein Numerus Clausus von derzeit 1,5 verrät leider nicht, ob eine Bewerberin wirklich geeignet ist.« Sie plädiert daher für ein Pflichtpraktikum im Kreißsaal als Bewerbungsvoraussetzung.

Quelle: Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, 25.2.2021 • DHZ

Rubrik: Aus- und Weiterbildung

Erscheinungsdatum: 22.03.2021