State of the World´s Midwifery Report

Weltweit fehlen 900.000 Hebammen

  • Hebammen werden hauptsächlich in Afrika in unterschiedlichen Bereichen benötigt: Ausbildung und Training, Einsatzplanung, Management, Einfluss auf die Arbeitsumgebung, Leitung und Strategieentwicklung sowie die Durchführung praktischer Tätigkeiten.

  • Weltweit fehlen Hebammen, um Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu betreuen. Der Hebammenmangel geht mit einer erhöhten Mütter- und Kindersterblichkeit sowie einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko einher. Dies zeigt eine umfassende Auswertung der Hebammentätigkeit aus 194 Mitgliedsländern der WHO. Anlässlich des International Day of the Midwife wurde hierzu am 5. Mai der aktuelle State of the World´s Midwifery Report (SoWMy) veröffentlicht.

    Demnach fehlen weltweit geschätzt 900.000 Hebammen. Dadurch werden Frauen und Kindern in den Bereichen sexuelle Gesundheit, Reproduktionsmedizin, mütterliche, kindliche und jugendliche Gesundheit (SRMNAH) schlechter betreut, als dies möglich wäre. Die Sustainable Development Goals fordern eine verbesserte Versorgungssituation in diesen Bereichen. Dabei wird Hebammen das Potenzial zugesprochen, aufgrund ihrer Kompetenz 90 % der notwendigen Interventionen in den SRMNAH-Bereichen abdecken zu können.

    Der Report zeigt auf, dass qualitativ hochwertige Hebammenarbeit weltweit positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen, Kindern und Familien hat, jedoch ein Fachkräftemangel existiert: Hebammen stellen derzeit weltweit lediglich 8 % der eingesetzten Fachkräfte in den zentralen Bereichen der Frauengesundheit. Der gesamte Fachkräftemangel betrifft geschätzt 1,1 Millionen Vollzeitstellen. Hierbei geht die Berufsgruppe der Hebammen mit dem größten Fachkräftemangel einher, wie die Zahlen belegen. Hebammen werden hauptsächlich in Afrika in unterschiedlichen Bereichen benötigt: Ausbildung und Training, Einsatzplanung, Management, Einfluss auf die Arbeitsumgebung, Leitung und Strategieentwicklung sowie die Durchführung praktischer Tätigkeiten.

    Für das Jahr 2019 hätte der weltweite Bedarf 6,5 Billionen Arbeitsstunden mehr betragen, als geleistet wurde. Hierbei umfasst eine Betreuung durch Hebammen von Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ungefähr 55 % dieser Arbeitsstunden. Es wird angenommen, dass durch eine vollständige Abdeckung der geburtshilflich relevanten Tätigkeitsfelder durch Hebammen die Mütter- sowie die Säuglingssterblichkeit und die Anzahl an Totgeburten um zwei Drittel gesenkt werden könnte. Dies würde bis 2035 4,3 Millionen Menschenleben retten.

    Eine wichtige Rolle spielt dabei die hebammengeleitete Betreuung von Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, die am besten in Form einer Eins-zu-eins-Betreuung geleistet wird. Um die Lücke zu schließen empfehlen, die AutorInnen bis ins Jahr 2030 die Ausbildung von 1,3 Millionen Fachkräften, wobei der Fokus auf einer qualitativ hochwertigen Hebammenausbildung liegen sollte. Jedoch bestehen im Ausbildungsbereich große länderspezifische Unterschiede, obwohl strategische Prioritäten durch die WHO, UNFPA, UNICEF und ICM im Jahr 2019 formuliert wurden. Zudem bestehen große länderspezifische Unterschiede im Bereich der praktischen Berufsausübung, weil länderspezifisch verschiedene gesetzliche Rahmenbedingungen vorgegeben sind. Diese gilt es anzuerkennen und lösungsorientiert zu überwinden.

    Hinweis: Ein Fachartikel zu den Einzelheiten des State of the World´s Midwifery Report folgt in einer der nächsten Ausgaben der DHZ.

    Quelle: UNFPA/United Nations Polulation Fund. The State of the World´s Midwifery Report. UNFPA 2021. New York. https://www.unfpa.org/sowmy ∙ DHZ

     

    Rubrik: Politik & Gesellschaft

    Erscheinungsdatum: 18.05.2021