Niederländische Studie

Je mehr Hausgeburten in einem Land, desto sicherer

  • Dort, wo die Hausgeburt gut in die Geburtenbetreuung integriert ist, ist das Outcome für Mutter und Kind gut.

  • In einer landesweiten Kohortenstudie haben niederländische WissenschaftlerInnen um die Hebamme Ank de Jonge von der Universität Amsterdam die Daten von 466.112 geplanten Hausgeburten jenen von 276.958 ebenfalls geplanten Klinikgeburten gegenübergestellt. Sie suchten dabei nach Unterschieden etwa in der Mortalität der Neugeborenen bis zum 28. Tag nach der Geburt, dem Apgar-Score nach fünf Minuten und der Aufnahme auf der Neugeborenen-Intensivstation. Nichts von dem, was sie fanden, sprach für ein höheres Risiko von Hausgeburten. Die Mortalitätsraten betrugen für die Kinder von zu Hause Erstgebärenden 1,02/1.000 und für Frauen, die in der Klinik von ihrem ersten Kind entbunden wurden, 1,09/1.000. Ein Apgar-Score < 7, der für eine Gefährdung des Kindes spricht, trat bei 7,90/1.000 Hausgeburten und bei 8,85/1.000 Klinikgeburten von Erstgebärenden auf. Einweisungen auf die Neugeborenen-Intensivstation erfolgten bei 3,41/1.000 beziehungsweise 3,61/1.000 Geburten. Keine dieser Unterschiede war statistisch signifikant.

    Für Frauen, die bereits zuvor ein Kind zur Welt gebracht hatten, sahen die Zahlen insgesamt günstiger aus. Die Mortalitätsraten betrugen 0,59/1.000 Hausgeburten versus 0,58/1.000 Klinikgeburten. Kamen die Kinder im eigenen Heim zur Welt, hatten sie sogar signifikant seltener einen Apgar-Wert unter 7 (3,20/1.000 versus 4,57/1.000), zudem mussten sie seltener auf die Intensivstation verlegt werden (1,36/1.000 versus 1,95/1.000).

    „Wir haben kein höheres Risiko für nachteilige perinatale Folgen von geplanten Hausgeburten bei Frauen gefunden, die ein niedriges Gefährdungsniveau aufweisen“, schreiben de Jonge und Kollegen in ihrem Resümee. Sie schränken allerdings ein, ihre Ergebnisse könnten womöglich nur für Gegenden gelten, in denen Hausgeburten gut in die Geburtenbetreuung integriert seien.

    In den Niederlanden wird jedes fünfte Kind zu Hause geboren. Die Hebammen haben entsprechend viel Erfahrung mit Hausgeburten, wie de Jonge und ihr Team betonen. Dieser Anteil liegt weit über jenem in Deutschland. Hierzulande kommen laut Zahlen, welche die Bundesregierung jüngst vorgelegt hat, nur 1,5 Prozent der Kinder außerklinisch auf die Welt; konkrete Zahlen zu geplanten Hausgeburten existieren nicht. Für einen Einfluss der Rate von Hausgeburten an allen Geburten spricht eine prospektive Studie aus England, die 2011 veröffentlicht worden ist und in die Daten von mehr als 64.000 Geburten eingeflossen sind (Birthplace in England Collaborative Group. BMJ 2011). Hier waren zumindest für die Kinder Erstgebärender schlechtere perinatale Ergebnisse zu verzeichnen gewesen. Auch in England liegt die Rate der Hausgeburten mit 2,8 Prozent deutlich niedriger als in den Niederlanden.

    (De Jonge, A et al.: Perinatal mortality and morbidity up to 28 days after birth among 743 070 low-risk planned home and hospital births: a cohort study based on three merged national perinatal databases. BJOG 2014, online 10. September; doi: 10.1111/1471-0528.13084. springermedizin.de)

    Rubrik: Geburt