Anatomie

Gebärfreudiges Becken nur vorübergehend

  • Alles im Fluss, auch die Weite des Beckens. Der Östrogenlevel ist vermutlich für die Veränderungen im Laufe des Lebens verantwortlich.

  • Dr. Marcia Ponce de León, Anthropologin an der Universität Zürich, hat die Becken von 125 Frauen und 150 Männern vom Kleinstkind bis nahezu 90-Jährigen auf ihre Ausformungen mittels Computertomografie untersucht. Dafür wurden 377 Marker an den Becken als Messpunkte festgelegt, um die Größen, Formen und Proportionen vergleichen zu können.

    Die Forscherin fand heraus, dass die Beckenformen von Jungen und Mädchen bis zur Pubertät nahezu gleich sind. Bekanntermaßen weitet sich dann das weibliche Becken, die Hüften der Mädchen werden breiter. Dieses Wachstum schreitet bis zu einem Alter von 25 bis 30 Jahren fort und erreicht dann seinen Höhepunkt, bevor die Hüften ab etwa dem 40. Lebensjahr wieder schmaler werden.

    Die ForscherInnen glauben nun, dass die Veränderungen im Becken durch den Östrogenzyklus erklärt werden könnten. Dieser steigt mit der Pubertät bis zur Zeit der vollen sexuellen Reife an und nimmt mit den Wechseljahren wieder ab. Das würde bedeuten, dass auch das Knochenwachstum mit dem Bedarf moduliert werden kann und dass es nicht genetisch festgelegt und unveränderbar ist.

    Diese scheinbare Logik wird von anderen AnthropologInnen aber als unglaubwürdige Studie zurückgewiesen. Lassen sich doch anhand der Beckenformen bei Skeletten die Geschlechter zuordnen. Allerdings müssen auch dabei immer wieder Fehler später korrigiert werden, wie zum Beispiel bei Funden aus der Steinzeit.

    (Huseynov A, Zollikofer CPE, Coudyzer W, Gascho D, Kellenberger C, Hinzpeter R, Ponce de León MS: Developmental evidence for obstetric adaptation of the human female pelvis. Proc Natl Acad Sci U S A 113, 5227-5232/DHZ)