Screening per Bluttest

Ein Schütteltrauma aus dem Blut des Kindes ermitteln?

  • ForscherInnen aus den USA haben ein Screening entwickelt, das die Diagnose eines Schütteltraumas bei Säuglingen erleichtern könnte.

  • Das Schütteltrauma (Shaken Baby Syndrom)  ist die häufigste Ursache einer traumatischen Hirnverletzung bei Säuglingen. Dies wird von KinderärztInnen häufig übersehen, weil neurologische Symptome bei Säuglingen oft unspezifisch sind. Leitsymptom ist Erbrechen und Unruhe. Äußere Verletzungen liegen beim Schütteltrauma in der Regel nicht vor. Viele ÄrztInnen sehen deshalb keinen Anlass für eine Kernspintomografie, bei der die Hirnblutung erkennbar wäre.

    ForscherInnen aus den USA haben ein Screening entwickelt, das die Diagnose eines Schütteltraumas bei Säuglingen erleichtern könnte. Der Test bestimmt drei Biomarker für Hirnblutungen und erreichte zusammen mit einem auffälligen Hb-Wert in einer ersten Studie, veröffentlicht in JAMA Pediatrics, eine Sensitivität von fast 85 Prozent.

    Ein Team um Rachel Berger vom Children’s Hospital of Pittsburgh hat zusammen mit einer kanadischen Firma einen Bluttest entwickelt, der im Vorfeld der Diagnostik eingesetzt werden könnte. Der Test misst die Konzentrationen von Matrix Metallopeptidase-9 (MMP-9) und der Neuron-spezifischen Enolase (NSE), die bei Hirnblutungen erhöht sind. Die dritte Komponente ist VCAM-1 (für vascular cellular adhesion molecule-1). Dieser Biomarker sinkt – aus unklaren Gründen – nach einer Hirnblutung. Der Test soll zusammen mit der Bestimmung des Hämoglobin-Werts durchgeführt werden, dessen Abfallen ebenfalls ein Anhaltspunkt für ein Schütteltrauma sein kann.

    Die Forscher haben zunächst in einer retrospektiven Analyse von 99 PatientInnen (50 Prozent mit, die andere Hälfte ohne Schütteltrauma) Grenzwerte für das Screening bestimmt und diese dann in einer prospektiven Studie an 599 Säuglingen aus drei Zentren überprüft. Der Test erreichte in dieser Validierung eine Sensitivität von 86,4 Prozent und eine Spezifität von 48,9 Prozent. 

    Die Genauigkeit des Tests ist zu gering, um auf eine Bestätigung durch eine Bildgebung zu verzichten. Er könnte jedoch die Zahl der frühzeitig entdeckten Fälle erhöhen, da die Sensitivität der klinischen Diagnose derzeit nur bei etwa 70 Prozent liegt. Die relativ niedrige Spezifität würde allerdings bedeuten, dass auch jedes zweite Kind ohne Schütteltrauma einer weitergehenden Diagnose zugeführt würde.

    (Berger R et al.: Derivation and Validation of a Serum Biomarker Panel to Identify Infants With Acute Intracranial Hemorrhage. JAMA Pediatr 2017. http://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/article-abstract/2614075; aerzteblatt.de, 12.4.2017/DHZ)

     

     

     

    Rubrik: 1. Lebensjahr