Diabetesforschung

Schützt Kälte vor Schwangerschaftsdiabetes?

Frauen, die während der Schwangerschaft kälteren Außentemperaturen ausgesetzt waren, erkrankten in einer kanadischen Großstadt deutlich seltener an einem Schwangerschaftsdiabetes als in wärmeren Jahreszeiten. Dies zeigen die Ergebnisse einer bevölkerungsbasierten Studie im Canadian Medical Association Journal. Gillian Booth vom Institute for Clinical Evaluative Sciences (ICES) führte eine epidemiologische Untersuchung durch, in der er die Häufigkeit des Gestationsdiabetes in der 27. Schwangerschaftswoche mit den Außentemperaturen in Verbindung setzte. Der Raum Toronto bietet hier gute Voraussetzungen, weil die durchschnittlichen Tagestemperaturen im Sommer aufgrund des kontinentalen Klimas auf 24 Grad ansteigen, während sie im Winter auf unter 10 Grad abfallen können.

Das Ergebnis war eine einigermaßen lineare Beziehung zwischen der Außentemperatur und der Zahl der Diagnosen. Bei Außentemperaturen unter 10 Grad betrug die Prävalenz 4,6 Prozent, im Sommer mit Temperaturen über 24 Grad wurde bei 7,7 Prozent der Schwangeren ein Gestationsdiabetes diagnostiziert. Pro 10 Grad Temperaturanstieg ergab dies eine Odds Ratio von 1,06, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,04 bis 1,07 signifikant war. Der gleiche Effekt wurde auch beobachtet, wenn zwei Schwangerschaften der gleichen Frau miteinander verglichen wurden. Die adjustierte Odds Ratio betrug ebenfalls 1,06 (1,03-1,08).

Möglicherweise ist der Einfluss noch größer, als die Studie erwarten lässt. In den kälteren Monaten halten sich die meisten Personen häufiger in der Wohnung auf und bewegen sich weniger. Bewegungsmangel verschlechtert die Insulinsensitivität. Wenn die Frauen sich in den Wintermonaten mehr bewegt hätten, wäre der Einfluss der Kälte noch größer gewesen, vermutet Booth.

(Booth GL et al.: Influence of environmental temperature on risk of gestational diabetes. CMAJ 2017.15;189:E682-9; aerzteblatt.de, 16.5.2017/DHZ)