Sterilitätsbehandlung

Eileiter spülen mit Schlafmohnöl?

  • Schlafmohnöl ist nicht länger nur Diagnosemittel, um Blockaden im Eileiter sichtbar zu machen, sondern könnte sogar die Fertilität erhöhen. Die Ursachen sind noch ungeklärt.

  • Frauen, die vergeblich versuchen schwanger zu werden, müssen sich möglicherweise einer Hysterosalpingografie unterziehen. Dabei werden die Tuben mit einer wässrigen Lösung mit Kontrastmittel unter Sicht durchspült, um eventuell vorhandene Blockaden der Eileiter zu entdecken. Denn blockierte Eileiter ziehen eine spezielle Sterilitätsbehandlung nach sich.

    Die Hysterosalpingografie stammt schon aus dem vergangenen Jahrhundert und wurde im Laufe der Jahre immer weiter verfeinert. Vor 100 Jahren wurde den Frauen Schlafmohnöl durch die Eileiter geleitet und im Röntgenbild die Durchgängigkeit überprüft. Durch moderne Scan-Methoden wurde die Anwendung des Öls zugunsten von Kontrastmitteln aufgehoben.

    Dabei wurde bisher nicht untersucht, ob das Mittel zum Durchspülen der Tuben selbst einen Einfluss auf die danach spontan entstehenden Schwangerschaften haben könnte. Nun wurde für eine Studie von Ben Mol von der Universität Adelaide der Gebrauch von Schlafmohnöl mit der Anwendung einer wässrigen Lösung verglichen. Dafür wurden 1.119 Frauen randomisiert der einen oder anderen Gruppe zugeordnet. Ein kleiner Teil Frauen aus beiden Gruppen musste sich nach der Salpingografie einer IVF-Behandlung unterziehen, weil die Eileiter dicht waren. In der Gruppe der Frauen mit dem Schlafmohnöl wurden 40 Prozent der Frauen innerhalb der nächsten sechs Monate spontan schwanger im Vergleich zu nur 29 Prozent in der Gruppe mit der wässrigen Lösung. Das ist nicht nur ein statistisch signifikanter, sondern auch ein klinisch bedeutender Unterschied.

    Er ist auch viel größer im Vergleich zur Insemination, bei welcher Spermien in einer besonderen Nährlösung direkt in den Uterus gespült werden. Dabei beträgt die Erhöhung der Schwangerschaftsraten nur wenige Prozent.

    Noch können die ForscherInnen nicht erklären, warum genau Öl besser wirkt. Eventuell sind es Bestandteile des Öls selbst, die die Schleimhaut in den Tuben positiv beeinflussen. Es muss nun nur noch eine Lösung gefunden werden, die Belastung mit Röntgenstrahlen bei der Anwendung der Ölprozedur zu vermeiden. Dann würde die Salpingografie nicht mehr länger nur der Diagnostik dienen, sondern schon eine Therapie darstellen.

    (Dreyer K et al.: Oil or Water Contrast for Hysterosalpingography. New England Journal of Medicine 2017. http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1612337?query=featured_home/DHZ)