Vorbericht des IQWiG

Nutzen von pränatalem Rhesus-Test ist unklar

  • Eine Restungenauigkeit bleibt: Verlässt man sich auf das Ergebnis eines Tests aus dem mütterlichen Blut, würden 0,2 Prozent der Schwangeren, bei denen eine Anti-D-Prophylaxe angezeigt wäre, diese nicht erhalten.

  • Es gibt derzeit keine Studien dazu, ob die pränatale Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors bei Rhesus-negativen Schwangeren eine Rh-Prophylaxe überflüssig machen könnte. Das berichtet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem Vorbericht zum Thema.

    Der Rhesusfaktor wirkt als Antigen: Ist das Blut einer Schwangeren Rh-negativ, das Blut des Fetus aber Rh-positiv, kann es sein, dass die Frau Antikörper bildet. Diese Antikörper können in den Kreislauf der Kinder vor allem in nachfolgenden Schwangerschaften gelangen und – so diese Feten ebenfalls Rh-positiv sind – Anämie, Herzinsuffizienz oder Hirnschäden verursachen oder gar zum Tod des Fetus führen.

    Um die Sensibilisierung zu verhindern, bekommen derzeit alle Rh-negativen Schwangeren als Prophylaxe eine Standarddosis Anti-D-Immunglobulin. Dieses soll Erythrozyten abfangen, die schon vor der Geburt vom fetalen in den mütterlichen Blutkreislauf übertreten, und so die Sensibilisierung verhindern. Zum Einsatz kommt dabei humanes Anti-D-Immunglobulin, das von sensibilisierten SpenderInnen gewonnen wird.

    Ein neuartiger Test aus dem Blut der Schwangeren kann nun bereits vor der Geburt den Rhesusfaktor des Kindes bestimmen. Der Test ist für das ungeborene Kind nicht invasiv. Er untersucht zellfreie zirkulierende DNA des Feten aus dem mütterlichen Plasma. Das macht es prinzipiell möglich, die vorgeburtliche Anti-D-Prophylaxe nur noch jenen Rh-negativen Schwangeren zu geben, deren Fetus laut Pränataltest Rh-positiv ist. „Aktuell bekommen 15 Prozent der Schwangeren die Prophylaxe, was etwa 110.000 Schwangeren pro Jahr entspricht. Durch die neuen Tests könnte sich ihre Zahl auf etwa 60.000 reduzieren“, heißt es aus dem IQWiG.

    Allerdings bietet kaum ein Test hundertprozentige Sicherheit. Es könnte also sein, dass Frauen ein falsch-negatives Ergebnis bekommen: Der Test weist das Blut des Kindes als Rh-negativ aus, und die Schwangere erhält keine Anti-D-Prophylaxe, obwohl das Kind tatsächlich Rh-positiv ist. Dies würde sich aber erst nach der Geburt herausstellen.

    Laut den IQWiG-WissenschaftlerInnen existieren im Augenblick jedoch keine Studien, die präzise Aussagen darüber zulassen, welche Auswirkungen die Einführung des neuen Tests haben könnte. Die Zuverlässigkeit ist vergleichsweise hoch: Der Test erkennt 99,8 Prozent der Rh-positiven Feten (Sensitivität) und ordnet 98,8 Prozent der Rh-negativen richtig ein (Spezifität).

    Das bedeutet, dass 0,2 Prozent der Schwangeren, bei denen eine Anti-D-Prophylaxe vor der Geburt angezeigt wäre, diese nicht erhielten, sofern man sich auf das Testergebnis verließe. Würde der bisherige Bluttest nach der Geburt beibehalten, der Pränataltest also als „Add-on“ eingesetzt, würden diese Frauen aber entdeckt und erhielten zumindest die nachgeburtliche Prophylaxe, deren schützende Wirkung laut dem IQWiG unstrittig ist. Eine Schädigung künftiger Feten wäre also auch bei den wenigen Fällen ausgeschlossen, bei denen der Test ein falsch-negatives Ergebnis liefert.

    Kurz gesagt: Der Test verfügt über eine hohe Spezifität und Sensitivität. Falsch-negative Ergebnisse könnten über einen Test nach der Geburt abgefangen werden. Ob dies aber alles so funktioniert, ist nicht durch Praxisstudien belegt.

    (aerzteblatt.de, 6.10.2017/DHZ)