Randomisierte Studie aus Italien

Senkt ein Zervix-Pessar die Frühgeburtlichkeit?

Ein zervikales Pessar hat in einer randomisierten Studie bei asymptoma­tischen Frauen mit Einzelschwangerschaften, ohne Frühgeburten in der Vorgeschichte und einer Zervixlänge von 25 mm oder weniger die Häufigkeit von Frühgeburten deutlich vermindert. Die Studie im amerikanischen Ärzteblatt JAMA ergänzt eine verwirrende Datenlage.

Ein Pessar ist eine kostengünstige, aber in der Durchführung nicht unbedingt einfache Maßnahme zur Stabilisierung der Zervix. Die Platzierung der Silikonkappe auf dem Muttermund erfordert einige Geschicklichkeit. Alle GynäkologInnen der Universität Federico II in Neapel, die an der Studie teilnahmen, wurde die Handhabung erläutert und nach praktischen Übungen mussten sie an einem lebenden Modell zeigen, dass sie die Silikonkappe über den Muttermund stülpen konnten.

Dies erschien der Italian Preterm Birth Prevention (IPP) Working Group um Gabriele Saccone wichtig, denn in der Studie sollten die Pessare eine auf unter 25 mm verkürzte Zervix „abdichten“. Die Verkürzung der Zervix ist ein bekannter Risikofaktor für Frühgeburten.

Ob die Schulung der ÄrztInnen für die guten Ergebnisse der Studie verantwortlich war, ist unklar. Die zervikalen Pessare waren jedoch in der Lage, die Rate von Frühgeburten deutlich zu senken. Während es in der Kontrollgruppe bei 23 von 150 Frauen (15,3 Prozent) zu einer Frühgeburt kam, waren es in der Pessar-Gruppe nur 11 von 150 Frauen (7,3 Prozent). Das ergibt eine Differenz von 8 Prozentpunkten, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,4 bis 15,7 Prozentpunkten signifikant war.

Einziger Nachteil der Pessartherapie war ein vaginaler Ausfluss, der bei 86,7 Prozent auftrat gegenüber 46 Prozent in der Vergleichsgruppe ohne Pessar. Die Differenz vom 40,7 (30,1 bis 50,3 Prozentpunkte) war ebenfalls signifikant. Ansonsten kam es zu keinen Komplikationen. Die Frauen spürten die Pessare in der Regel nicht und beim Einsetzen oder Entfernen kam es zu keinerlei Verletzungen.

Die günstigen Ergebnisse stehen im Kontrast zu der bisher größten Studie, in der es nach Einlage des Pessars sogar tendenziell häufiger zu Frühgeburten (12 versus 10,8 Prozent) gekommen war. Die ÄrztInnen der multizentrischen Studie waren vorher nicht geschult worden und einige Zentren hatten nur wenige Frauen behandelt. Unerfahrenheit könnte nach Ansicht von Saccone die Unterschiede durchaus erklären. Die Ergebnisse dieser Studie hatten maßgeblich eine Meta-Analyse beeinflusst, in der Saccone keine eindeutigen Vorteile für die Platzierung eines Pessars belegen konnte .

Wie die zukünftigen Empfehlungen ausfallen werden, dürfte von den Ergebnissen der laufenden TOPS-Studie abhängen, die das National Institute of Child Health and Human Development derzeit in den USA durchführen lässt. In den künftigen Leitlinien wird das zervikale Pessar mit der Zervixcerclage konkurrieren, die wegen der Notwendigkeit einer Operation wesentlich invasiver ist und deren Evidenz zuletzt infrage gestellt wurde.

Relativ häufig eingesetzt wird heute eine vaginale Progesteron-Applikation, die sich eventuell als Kombination mit einem zervikalen Pessar anbietet. Zu diesem Themenbereich werden derzeit mehrere Studien durchgeführt, deren Ergebnisse die künftigen Empfehlungen ebenfalls beeinflussen dürften.

Quelle: Saccone G et al.: Effect of Cervical Pessary on Spontaneous Preterm Birth in Women With Singleton Pregnancies and Short Cervical Length. A Randomized Clinical Trial. JAMA 2017. 318(23): 2317–2324. https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2666505?redirect=true; aerzteblatt.de, 20.12.2017 ∙ DHZ