Bestes Wissen und liebevolle Fürsorge

  • Hebamme und Ethnologin: »Was in dem einen Land seit Jahrzehnten Standard ist, ist für viele andere Länder noch lange nicht Wirklichkeit.«

Jedes zehnte Kind wird zu früh geboren – weltweit und mit steigender Tendenz. Die zu frühe Geburt ist nicht nur ein hoch emotionales, sondern auch ein globales Thema. Es geht um Fragen der Prävention, der Therapie, um ethische Aspekte, den adäquaten Einsatz von Ressourcen, um wirtschaftliche Interessen, Forschung und Begehrlichkeiten. Oft vermischen sich die verschiedenen Ebenen.

Dabei stellen sich die Herausforderungen sehr unterschiedlich dar: Was in dem einen Land seit Jahrzehnten Standard ist, wie etwa die Induktion der Lungenreife bei Frühgeburtsbestrebungen, ist für viele andere Länder noch lange nicht Wirklichkeit.

Einfache Maßnahmen können hochwirksam sein und die Praxis entscheidend verändern – beispielsweise das Känguruhen. Aus der Not geboren, ist die Methode heute ein Standard in der Versorgung: Lange ist erwiesen, dass Frühgeborene, geborgen in körperlicher Wärme, stabiler sind und sich besser entwickeln.

Während die Risiken der späten Frühgeburt lange Zeit unterschätzt wurden, geht es bei den ganz kleinen Kindern an der Lebensgrenze neben ethischen Abwägungen auch um wissenschaftlichen Ehrgeiz und monetäre Interessen in Bezug auf die hohen Fallpauschalen. Die Versorgung der Kinder und die Begleitung ihrer Eltern braucht nicht nur hohe Fachkompetenz, sondern auch eine besondere ethische Sensibilität.

Eine zentrale Erkenntnis und Forderung für die Gesundheitsversorgung im 21. Jahrhundert lautet: Komplexe Probleme können nur interdisziplinär gelöst werden. Prä-, peri- und postnatal brauchen Kinder, Mütter und Väter eine hochkompetente fachliche Begleitung von GynäkologInnen, Hebammen, NeonatologInnen, ExpertInnen aus der Kinderkrankenpflege, Sozialpädagogik, Stillberatung, Psychologie und weiteren Therapieberufen. Sie alle sollten optimal zusammenarbeiten – sei es bei der Prävention, der Therapie und Versorgung in der Klinik oder nach der Entlassung zu Hause. Gemeinsames Lernen, Kommunikation auf Augenhöhe und Respekt vor dem Wissen der anderen sind die Werkzeuge, die am Ende eine hochwertige Versorgung der Kleinsten auszeichnen. Gute Beispiele machen Mut und zeigen, dass die gemeinsame Arbeit auf der Basis von Werten, die allen am Herzen liegen, ein Team stärkt. Sie kann beglückend sein.

Dr. Angelica Ensel

Rubrik: DHZ 12/2017

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