Alter und Fertilität

Beeinflussen die Medien den Zeitpunkt der Schwangerschaft?

  • Laut einer amerikanischen Studie zeichnen Medien ein verzerrtes Bild der Realität in Bezug auf die Fertilität von Frauen im höheren Alter.

  • Populäre Zeitschriften und Magazine feiern gern die späte Mutterschaft. Es genügt, sich auf die Homepage der Zeitschrift Brigitte Woman zu klicken, die sich selbst als das „Magazin für Frauen über 40“ charakterisiert. Doch wie gehen sie mit dem Einfluss des Alters auf die Fertilität um? US-Forscherinnen sind der Frage nachgegangen.

    Ein Team um Stephanie Willson von der New York University hat sich im Zuge einer Studie damit auseinandergesetzt, wie populäre Magazine mit dem Thema der altersbedingt nachlassenden Fertilität von Frauen umgehen. Dabei gingen sie von der Annahme aus, dass diese Medien die Familienplanung von Frauen im reproduktiven Alter beeinflussen könnten.

    Willson und Kolleginnen analysierten insgesamt mehr als 400 Printmagazine, darunter vor allem die drei auf dem US-Markt dominierenden, Us Weekly, People und Cosmopolitan. Die Hälfte ihrer Leserschaft ist weiblich und zwischen 16 und 45 Jahre alt. Untersucht wurden die Ausgaben von Januar 2010 bis Januar 2014. Fertilität wurde auf einem Drittel aller Cover thematisiert, 240 Stars sind dabei mindestens einmal mit Bezug auf ihre Fruchtbarkeit abgebildet worden, als Schwangere oder kurz nach der Geburt ihres Kindes. 56 % von ihnen waren 35 oder älter, ein Drittel hatte mindestens die 40 erreicht.

    Dass „spätes Mutterglück“ geburtshilfliche Risiken birgt, fand insgesamt nur zweimal Erwähnung. Von 3 der 240 Frauen wurde berichtet, sie hätten sich künstlicher Befruchtung bedient. Über Techniken der künstlichen Befruchtung selbst veröffentlichten im untersuchten Zeitraum zehn Magazine mindestens einen Artikel, über Kontrazeption, berichteten alle Magazine.

    „Weit verbreitete populäre Medien spielen den Einfluss des Alters auf die Fertilität herunter“, schreiben Willson et al. Kontrazeption werde unterstützt und Fertilitätsziele würden als selbst im fortgeschrittenen reproduktiven Alter leicht erreichbar dargestellt, die Risiken kaum oder gar nicht erwähnt werden. Das Bild, das dadurch zustande komme, stehe in signifikantem Gegensatz zur Realität, so die Medizinerinnen. Solche Fehlinformationen könnten Frauen dazu verleiten, ihren Kinderwunsch noch weiter aufzuschieben – mit der Gefahr, dass er unerfüllt bleibe.

    Quelle: Willson SF et al.: „Age is Just a Number“: How Celebrity-Driven Magazines Misrepresent Fertility at Advanced Reproductive Ages. J Womens Health 2019 doi: https://doi.org/10.1089/jwh.2018.7433 Springer Medizin, 18.6.2019 DHZ