Kanadische Fall-Kontroll-Studie

Benzodiazepine erhöhen das Fehlgeburtenrisiko

  • Die Einnahme von Benzodiazepinen während der Schwangerschaft erhöht das Risiko einer Fehlgeburt.

  • Die Einnahme von Benzodiazepinen in der Frühschwangerschaft ist laut einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Psychiatry mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten assoziiert. Betroffen waren sowohl kurz- als auch langwirksame Substanzen.

    Benzodiazepine gehören zu einer Gruppe von Arzneimittelwirkstoffen, die als Entspannungs- und Beruhigungsmittel oder als Schlafmittel eingesetzt werden. Sie passieren die Plazentaschranke und reichern sich im fetalen Kreislauf an, wo sie in bis zu dreifach höherer Konzentration vorhanden sind als im Blut der Mutter. In Deutschland wird eine strenge Indikationsstellung gefordert.

    Trotz der nicht eindeutigen Sicherheitslage werden Schwangeren auf der ganzen Welt Benzodiazepine verschrieben. In der Quebec Pregnancy Cohort, die Daten zu allen Schwangerschaften in dem kanadischen Teilstaat auswertet, hatten 375 von 27.149 Frauen (1,4 %), bei denen es zu einem Spontanabort kam, vorher mindestens ein Benzodiazepin-Rezept erhalten. Von 134.305 Kontrollpersonen – Frauen mit Lebendgeburten – war nur 788 oder 0,6 % in der Frühschwangerschaft ein Benzodiazepin-Rezept verordnet worden.

    Dies ergab nach einer Analyse von Anick Bérard von der Universität Montreal und ihren MitarbeiterInnen eine Odds Ratio von 2,39, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,10 bis 2,73 signifikant war. Benzodiazepin-Anwenderinnen erlitten demnach doppelt so häufig eine Fehlgeburt.

    Die Frauen, die Benzodiazepine einnahmen, hatten jedoch etwas häufiger andere mögliche Risikofaktoren für eine Fehlgeburt, wie beispielsweise ein höheres Alter, arterielle Hypertonie oder Asthma, die den Einfluss der Benzodiazepine abschwächten. Doch auch die adjustierte Odds Ratio von 1,85 blieb mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,61 bis 2,12 signifikant.

    Die Assoziation war sowohl für kurzwirksame Benzodiazepine als auch für lang langwirksame Benzodiazepine nachweisbar. Sie ließ sich auch für einzelne Wirkstoffe nachweisen, am stärksten für Diazepam, Temazepam und Bromazepam.

    Bérard riet ÄrztInnen, bei einer Verordnung Nutzen und Risiko sorgfältig abzuwägen und Benzodiazepine Schwangeren, wenn überhaupt, nur für kurze Zeit zu verschreiben.

    Quelle: Berard. Ph. D et al.: Association between benzodiazepine use in early pregnancy, miscarriage risk. JAMA Psychiatry 2019. doi:10.1001/jamapsychiatry.2019.0963 aerzteblatt.de, 17.5.2019 DHZ