Werbung und Sponsoring im Bereich Muttermilchersatznahrung

Bruch mit dem WHO-Kodex?

  • Auch Anbieter von Milchpumpen und Flaschen sind an den WHO-Kodex gebunden.

  • In den vergangenen Monaten war das Royal College of Pediatrics and Child Health (RCPCH) aus Großbritannien in den Fokus scharfer Kritik gerückt: Ihre für Januar 2019 geplante internationale Konferenz wurde von mehreren Babynahrungs-Herstellern gesponsert. Diesen Bruch des WHO-Kodex wollten etliche Mitglieder des RCPCH nicht mittragen und starteten eine Kampagne, die eine lebhafte Diskussion lostrat. Diese beschränkte sich nicht nur auf die Finanzierung dieser speziellen Konferenz, sondern stellte im Grundsatz in Frage, inwieweit das RCPCH überhaupt von Babynahrungs-Herstellern Gelder annehmen dürfte. Bereits 2016 war der Versuch unternommen worden, solche Kooperationen einzuschränken, 2017 waren die Bestimmungen jedoch wieder gelockert worden. Zuletzt nahm das RCPCH etwa 40.000 £ (englische Pfund) jährlich durch die Babynahrungsindustrie ein.

    Die Proteste der vergangenen Monate zeigten schließlich Wirkung: Der Vorstand des RCPCH verkündete Anfang Februar 2019, dass die Gesellschaft künftig keine Gelder von Babynahrungs-Herstellern mehr annehmen werde und dass alle entsprechenden Verträge gekündigt würden.

    In diesem Zusammenhang wurde im Herbst 2018 eine Studie veröffentlicht. Sie untersuchte, ob und in welcher Menge Werbeanzeigen von Babynahrungs-Herstellern in medizinischen Fachzeitschriften auftauchen, sowie, ob diese dem WHO-Kodex entsprechen. Dazu wurden zwölf relevante Fachzeitschriften mit hohen Impact-Faktoren ausgewählt und für den Zeitraum von von 2003 bis 2012 untersucht. Es zeigte sich, dass die meisten Zeitschriften gar keine Werbung von Babynahrungs-Herstellern schalteten, dass aber die Zeitschriften, die es taten, alle zur selben Verlagsgruppe gehörten und dass zwei dieser Zeitschriften offizielle Mitglieds-Zeitschriften des RCPCH sind.

    Auch hier findet nun Bewegung statt: das renommierte British Medical Journal (BMJ), das bisher Werbung von Babynahrungs-Herstellern akzeptierte, wenn sie sich auf Spezial-Nahrungen (z.B. für Kuhmilch-Eiweiß-Allergiker) bezog, überdenkt diese Haltung und kündigte im Dezember 2018 an, seine Regularien 2019 zu überarbeiten.

    Die Babynahrungsindustrie hat in den vergangenen Jahrzehnten ihren Einfluss und ihren Umsatz stetig vergrößert und verschiedene Hersteller verstoßen regelmäßig gegen die Auflagen des Internationalen Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten, den sogenannten WHO-Kodex.

    Quelle: Waterston T, Wright C: Sponsorship of paediatric associations by manufacturers of breastmilk substitutes. The Lancet 2019. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)32845-9 DHZ