Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft

Brücken bauen statt Gräben vertiefen

Die Fachgruppe der Frauenärztinnen im Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) begrüßt die geplante Akademisierung der Hebammenausbildung. Sie könne die ablehnende Haltung des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) nicht teilen.

Der AKF sieht die Veränderung als Chance, die Zusammenarbeit beider Berufsgruppen im Sinne einer kooperativen Betreuung zum Wohl der Schwangeren zu intensivieren. Eine kooperative Betreuung mit AnsprechpartnerInnen verschiedener Professionen ermögliche es Schwangeren, ihre unterschiedlichen Bedürfnisse hinsichtlich Sicherheit und Selbstbestimmung zu regeln. Die Beachtung der salutogenetischen Komponente der Schwangerenbetreuung trage dazu maßgeblich bei und führe zu einer deutlichen Entängstigung der schwangeren Frauen.

Der Betreuung von Schwangeren sowie dem Erkennen von vorbestehenden oder neu auftretenden Risiken könnten auch Hebammen in der immer komplexer werdenden Medizin besser durch eine akademisierte Ausbildung nachkommen. Eine gemeinsame risikoadaptierte Betreuung verstärke bei der Schwangeren das Gefühl von Sicherheit und beuge übermäßiger Betonung der Risiken vor.

Der AKF fordere den BVF und die DGGG auf, in Zusammenarbeit mit den Hebammenverbänden Eckpunkte – im ambulanten wie auch im stationären Gebiet – für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Hebammen und GynäkologInnen bei der Betreuung von Schwangeren zu erarbeiten. Für die Betreuung in der Schwangerschaft wäre die Erarbeitung eines verbindlichen evidenzbasierten Richtlinienkataloges für beide Berufsgruppen zeitgemäß und dringlich.

Der wiederholte Protest der ärztlichen StandesvertreterInnen, sobald eine andere Gruppe von Heilberufen über eine Akademisierung mehr Einfluss und Verantwortung erlange, sei unangebracht. Es sei an der Zeit, dass auch ÄrztInnen anerkennen, dass sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geändert hätten hin zu Versorgungskonzepten auf Augenhöhe in multiprofessionellen Teams mit geteilten Verantwortungen.

Quelle: Stellungnahme AKF, 27.6.2019

Rubrik: Politik & Gesellschaft

Erscheinungsdatum: 09.07.2019