Deutscher Fachverband für Hausgeburtshilfe (DFH)

Die freie Wahl des Geburtsortes ist in Gefahr

Der Deutsche Fachverband für Hausgeburtshilfe (DFH) war beim „Runden Tisch Geburtshilfe – Fachgespräch ‚Aus-, Fort-, und Weiterbildung‘“ am 4. Dezember 2014 im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen dabei. Im Folgenden ein Kurzbericht über das dort Erlebte und Gehörte: „Hausgeburt ist ein Anachronismus“, äußerte sich dort Prof. Schmidt von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Die geburtshilfliche Versorgungsqualität sei nur in Level I Häusern erfüllt. Das Wissen um geburtshilfliche Techniken sei verloren gegangen –  die Sectio bringe den Gynäkologen forensisch nicht in Schwierigkeiten, fuhr Schmidt fort.

Claudia Dachs, Beirätin für den Bildungsbereich im Deutschen Hebammenverband (DHV), votierte für die vollständige Akademisierung des Hebammenberufs: „Wir fordern eine neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung ohne Eigennutz für unsere Berufsgruppe. Hebammenkompetenzen sollten erhalten und Neue hinzugewonnen werden.“

Petra Kahlberg-Spix, Leiterin der Hebammenschule am Vinzenz Pallotti Hospital in Bensberg bei Köln, stufte die Qualität der Ausbildung fachlich und methodisch als hoch ein, „ein gelungenes Modell“. Sie warnte davor, „etablierte Systeme“ zu kippen. „Hebammen sollten wissenschaftliches Wissen beherrschen und reflektieren, sie sollten Studien lesen und selbst durchführen können“, so Prof. Dr. Rainhild Schäfers, erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaften (DGHWi). Für den Bachelor läge die Gesamtverantwortung bei den Hochschulen. Modular und kompetenzorientiert sollte sich die Stundenzahl im Verhältnis 50 zu 50 zukünftig auf praktische und fachliche Unterrichtung verteilen, statt auf aktuell 3.000 Stunden Praxis von den 4.600 Gesamtstunden.

Jennifer Jaque-Rodney, Expertin für Frühe Hilfen und Netzwerkkoordination, stellte die Arbeit der Familienhebammen vor. Die Rahmenbedingungen für die Arbeit fehlten zwar, aber die Arbeit wäre sehr wichtig. „Originäre Hebammen“ seien mit dieser Arbeit jedoch überfordert.

Der DFH ist empört, wie die Geburtshilfe, setzen sich diese Ideen durch, zu Grabe getragen wird. Er ist erschüttert, welche Werte und Haltungen hier zutage treten. Der Beruf hat seinen Kernauftrag, Geburtshilfe auszuüben, aktiv und selbstbestimmt mit dem DHV, seinen organisierten Vereinen und Fachhochschulen und im Schulterschluss mit der DGGG, schon verlassen. Der DFH fordert die sofortige fachliche Überarbeitung der geburtshilflichen Lehrbücher, da diese in keiner Weise den Anforderungen gerecht werden. Er fordert die Lehrenden auf, geburtshilfliche Regeln zu unterrichten und mit Fakten zu arbeiten. Er fordert die DGGG auf, ihre Leitlinien zu überprüfen und sich verantwortungsvoll der Lehre und Ausübung geburtshilflicher Praktiken zuzuwenden, anstatt die Geburtshilfe aus finanziellen und forensischen Gründen einer Geburtschirurgie zu opfern.

(Pressemitteilung des DFH, Eva-Maria Müller-Markfort für den Vorstand, 11.12.2014)

Rubrik: Aus- und Weiterbildung

Erscheinungsdatum: 22.12.2014