Systematisches Review

Die Dauer einer spontanen Geburt ist individuell

  • Es ist nicht möglich, Geburtsverlauf und -dauer für einzelne Frauen vorherzusagen.

  • Ziel eines Reviews war es, die verfügbaren Evidenzen über die Dauer der aktiven Eröffnungs- und der Austreibungsphase bei Frauen mit spontanen Wehen herauszuarbeiten. Dafür wurden die Datenbanken nach Beobachtungsstudien und anderen Studien durchsucht. Die Frauen wiesen keine Risiken in der Anamnese auf und hatten ein normales Geburtsoutcome.

    37 Studien mit 208.000 Frauen widmeten sich den Zeiten von Eröffnungs- und Austreibungsphase. Unter den Erstgebärenden variierte die aktive Eröffnungsperiode ab 4 cm Muttermund im Median zwischen 3,7 und 5,9 Stunden. Das bedeutet, die Hälfte der Frauen gebar davor, die andere Hälfte danach. 5 % der Frauen brauchten aber zwischen 14,5 bis 16,7 Stunden. In den Studien, die ab 5 cm Muttermundseröffnung maßen, dauerte die Eröffnungsperiode 3,8 bis 4,3 Stunden. Die Austreibungsperiode dauerte zwischen 14 und 66 Minuten für Erstgebärende und 6 bis 12 Minuten für Mehrgebärende.

    Die Studien sind sehr heterogen und nicht ohne Interventionen, auch wenn die AutorInnen betonen, dass diese die Ergebnisse nur unwesentlich beeinflusst hätten, also nicht signifikant. Die Dauer der einzelnen Phasen variiert von einer Frau zur nächsten und ist abhängig vom Referenzzeitpunkt des Starts der Messung. Wird den Frauen die Zeit gegeben, können sie auch in einem größeren Zeitfenster ohne ein schlechtes Geburtsoutcome ihr Kind bekommen.

    Sowohl die Diagnose des Geburtsfortschritts als auch der normale Verlauf können immer erst retrospektiv beurteilt werden. Es ist nicht möglich, den Geburtsverlauf für einzelne Frauen unter spezifischen Parametern vorherzusagen.

    Abalos E, Oladapo OT, Chamillard M et al.: Duration of spontaneous labour in ‘low-risk’ women with ‘normal’ perinatal outcomes: A systematic review. EJOG 2018. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29518643223 (4): 123–132 DHZ

    Rubrik: Geburt