Deutscher Hebammenverband e.V.

Eckpunktepapier bleibt hinter Erwartungen zurück

Aktuell hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ein Eckpunktepapier veröffentlicht mit „Sofortmaßnahmen zur Stärkung der Geburtshilfe“. Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) ist enttäuscht von den wenigen hier vorgeschlagenen Maßnahmen, die teilweise bereits vorhanden seien und keine Entlastung böten.

Es seien zudem keine zusätzlichen finanziellen Mittel „zur Stärkung der Geburtshilfe“ vorgesehen. Leider würden die vom DHV entwickelten Vorschläge für bessere Arbeitsbedingungen und eine gute Versorgung für jede Mutter und jedes Kind in der Geburtshilfe bisher nicht aufgegriffen - so beispielsweise die Verbesserung der Finanzierung und eine Anpassung von Personalschlüsseln an internationale Standards.

Das im Eckpunktepapier des BMG genannte „Gutachten zur stationären Hebammenversorgung“ darf keine Verzögerung für konkrete Maßnahmen in den Kliniken bedeuten, denn rasche Abhilfe ist nötig, heißt es aus dem DHV: "Wir haben zudem bereits umfangreiche Daten dazu erhoben. Das Ergebnis einer neuen Datenerhebung sollte deshalb keine reine Bestandsaufnahme sein, sondern Erkenntnisse über die Umsetzbarkeit von konkreten Hilfemaßnahmen für die klinische Geburtshilfe liefern.", heißt es dort weiter.

Die ebenfalls erwähnte Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll laut BMG für Hebammen in den Kliniken verbessert und diese in die Maßnahmen des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes zur Vereinbarkeit einbezogen werden. Das Gesundheitsministerium erhofft sich damit Anreize für eine Vollzeitbeschäftigung. Aktuell arbeiten weit mehr als 70% der Hebammen in Teilzeit.

Der DHV sieht in diesem Vorschlag keine konkrete Lösung der Problematik des hohen Teilzeitanteils und des kurzen Verbleibs von Hebammen im Beruf. In bisherigen Umfragen und Erhebungen des DHV wurde die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur nachrangig als Problematik angesprochen von den befragten Hebammen. Erst durch nachhaltig bessere Arbeitsbedingungen könnten Hebammen wieder mehr arbeiten und würden auch länger im Beruf bleiben wollen.

Der Hebammenverband warnt vor dem Trugschluss, dass eine Veröffentlichung von „einwilligungsunabhängigen Daten“ von Hebammen den Hebammenmangel abmildern würde. Das BMG schlägt diese Maßnahme vor, damit Eltern leichter eine Hebamme insbesondere für die Wochenbettbetreuung, aber auch für Vorsorge und freiberuflich geleitete Geburtshilfe finden können. Der Hebammenverband betont, dass Hebammen bereits durch zahlreiche Veröffentlichungen auffindbar seien. Eltern fänden häufig deswegen nur schwer Hebammenhilfe, weil nicht ausreichend Hebammen Leistungen für den aktuell stark angestiegenen Bedarf anbieten könnten. Eine weitere Veröffentlichung der Daten der Gesetzlichen Krankenkasse aus der sogenannten „Vertragspartnerliste“ werde den Hebammenmangel nicht beheben. Zudem dürfe eine Veröffentlichung von Privatadressen – denn die meisten Hebammen haben keine Praxis wie beispielsweise ÄrztInnen – nicht ohne Einwilligung erfolgen.

Die vollständige Akademisierung der Hebammenausbildung wurde vom BMG bereits 2018 bestätigt, und ist sicherlich keine Sofortmaßnahme. Bereits Mitte Januar 2020 muss die Reform aufgrund von EU-Vorgaben auch in Deutschland als letztem Land der EU umgesetzt sein. Der Hebammenverband drängt auf rasche Klarheit bei den vielen noch offenen Fragen der Ausgestaltung und des Übergangs. Ein Jahr vor der Reform sei derzeit noch nicht einmal die gesetzliche Grundlage geklärt.

Quelle: DHV, 8.1.2019