Pränatale Diagnostik und Aufklärung

Eltern von Kind mit Fehlbildungen wird Schadensersatz zugesprochen

Wenn erwiesen ist, dass eine Mutter die Schwangerschaft abgebrochen hätte und dies gemäß § 218a StGB gerechtfertigt gewesen wäre, haften ÄrztInnen auf Schadensersatz, wenn sie einen Hinweis auf das Risiko der schweren Beeinträchtigung unterlassen. Dies hat das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe mit einem Ende Februar veröffentlichtem Urteil entschieden und damit der Klage einer Mutter eines körperlich und geistig beeinträchtigten Kindes stattgegeben.

Bei der MRT-Untersuchung einer schwangeren Frau zeigte sich eine Fehlbildung des Gehirns des Kindes. In den meisten Fällen kommen Kinder damit gesund zur Welt, in 12 % der Fälle kommt es aber zu schweren Behinderungen.

Im Fall der Klägerin, die bereits im Jahr davor eine Schwangerschaft aufgrund eines bei einer pränatalen Diagnostik festgestellten "Turner- Syndroms" abgebrochen hatte, kam das Kind mit schweren Beeinträchtigungen zur Welt. Die Eltern verklagten daraufhin das Krankenhaus und die behandelnden ÄrztInnen und verlangten Ersatz ihres durch die Betreuung des schwer beeinträchtigten Kindes entstehenden Mehraufwandes. Sie seien nicht auf das Risiko einer schweren Behinderung hingewiesen worden. Hätten sie das Risiko gekannt, hätten sie die Schwangerschaft abgebrochen, behaupteten sie. Das Landgericht wies ihre Klage jedoch ab.

Das OLG gab ihrer Berufung nun aber überwiegend statt. Da sich die Eltern mit dem erkennbaren Ziel in die Behandlung begeben haben, möglichst frühzeitig über mögliche Schädigungen informiert zu werden, seien die ÄrztInnen verpflichtet gewesen, auf das Risiko einer Beeinträchtigung hinzuweisen, so das OLG.

Das OLG sprach der Mutter wegen der schwerwiegenden psychischen Folgen ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro zu. Ferner wurde den Eltern Schadensersatz wegen der gegenüber einem gesunden Kind entstehenden vermehrten Unterhaltsleistungen und des vermehrten Pflegeaufwandes zugesprochen.

Quelle: Legal Tribune Online, 21.2.2020 DHZ

Rubrik: Recht

Erscheinungsdatum: 03.03.2020