Niedersachsen

Erzählcafé mit Gifhorner Hebammen

„Es ist ein Unding, dass sich die Geburtskultur in diesem Land so weit weg von einem natürlichen Prozess hin zu einem medizinischen Risiko entwickelt hat“, so das Fazit einer älteren Dame, die am Erzählcafé des Arbeitskreises „Eltern für Hebammen“ Ende November in Gifhorn teilnahm.

30 Mütter, Väter und Kinder fanden den Weg ins Café des Mehrgenerationenhaus Omnibus, das mit nostalgischen Relikten aus den verschiedenen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts geschmückt war.

An verschiedenen Tischen berichteten ZeitzeugInnen von ihren Erfahrungen rund um das Thema Geburt. Recht schnell wurde deutlich, dass zwischen Früher und Heute beträchtliche Unterschiede liegen. Eine ältere Besucherin erzählte: „Für uns war es völlig normal, dass uns die Kinder nur zum Stillen gebracht wurden. Wenn man sieht, wie schön das heute ist, ist das echt schlimm, dass wir von den Babys getrennt wurden“.

Eine andere Frau beschrieb die Geburten ihrer Kinder in Mexico, die alle in der Klinik und ohne Hebamme stattfanden. Ganz anders konnte eine Mutter von ihrer Hausgeburt im letzten Jahr berichten, nachdem ihr erstes Kind als Frühchen im Krankenhaus zur Welt kam. „Ich wusste genau was ich wollte. Ich wollte eine selbstbestimmte Geburt mit einer Hebamme und nicht der Krankenhausroutine ausgeliefert sein.“

An einem anderen Tisch ging es um die Entwicklung der Kinder im ersten Lebensjahr. Die Osteopathin Stefanie Sichtermann beschrieb den Zusammenhang zwischen dem Geburtsverlauf und der körperlichen Entwicklung der Kinder. Aus den Tagebüchern einer Hebammenschülerin von 1907 wurde am dritten Tisch vorgelesen.

Von den Schilderungen der damals zur Normalität gehörenden Eingriffe unter der Geburt waren die Zuhörer sichtlich erschrocken. Geprägt waren die Gespräche von der Dankbarkeit über die erfahrene Unterstützung und zugleich von der Sorge, wie es weitergeht. Alle Gäste des Cafés haben die Hoffnung ausgesprochen, dass sich die unsichere Situation der Hebammen noch zum Guten wendet. Viele der Frauen waren besorgt über die derzeitigen Entwicklungen und hoffen, dass sie auch bei weiteren Schwangerschaften und Geburten eine Wahl haben werden und eine Hebamme finden, die sie betreut.

(Stefanie Winter für die Gifhorner Hebammen; HV Niedersachsen, 27.11.2015)

Rubrik: Regionales

Erscheinungsdatum: 17.12.2015