Chinesische Studie

Fehlgeburtrisiko durch Luftverschmutzung erhöht?

  • Forschungsergebnisse aus China deuten auf einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und dem Risiko einer Fehlgeburt hin.

  • Die Luftverschmutzung in Großstädten kann offenbar Fehlgeburten auslösen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung aus China in Nature Sustainability.

    Schätzungsweise 15 % bis 20 % aller Schwangerschaften enden im ersten Trimenon in einem Spontanabort. Die exakte Zahl ist schwer zu bestimmen, da nicht alle Frauen einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, und nicht immer feststeht, ob es sich um einen Abort oder um eine verzögerte Monatsblutung handelt. Genaue Zahlen gibt es dagegen bei den verhaltenen Ab­orten („missed abortion“), bei dem der abgestorbene Embryo im Uterus bleibt und durch eine Kürettage entfernt werden muss. In Peking liegt der Anteil bei etwa 7 %.

    Von 255.000 der von Liqiang Zhang in Peking, China, untersuchten Schwangerschaften endeten 17.500 in einer therapeutischen Ausschabung oder Absaugung.

    Zhang setzte die verhaltenen Aborte mit dem Luftschadstoffgehalt in der Nähe des Wohn­­­orts der Schwangeren in Beziehung. Am deut­lichs­ten konnte eine Assoziation zum Schwefeldioxid hergestellt werden.

    Zhang fand heraus, dass die Zahl der verhaltenen Aborte mit zunehmender Schwefeldioxyd-Exposi­tion ansteigt. Die Assoziation war nicht linear. Bei einer Belastung von unter 7,1 µg pro Kubikmeter steigerte jede Zunahme um 10,0 µg pro Kubikmeter das Risiko um 17 %. Bei einer Belastung von 7,1 bis 19,5 µg pro Kubikmeter stieg das Risiko pro 10,0 µg pro Kubikmeter, um 41 % und bei einer noch stärkeren Belastung um 52 %.

    Die ForscherInnen konnten bei ihren Berechnungen einige Einflussfaktoren wie Alter, Beruf oder Lufttemperaturen berücksichtigen, die für sich das Risiko von Fehlgeburten beein­flussen. Zu anderen Faktoren wie Heizungen, Baumaterialien oder Rauchen standen ihnen keine Infor­ma­tionen zur Verfügung. Daher kann nicht zweifelsfrei bewiesen werden, dass die Luftverschmutzung die Fehlgeburten ausgelöst hat.

    Für einen kausalen Zusammenhang spricht jedoch, dass die Zahl der verhaltenen Aborte in den vergangenen Jahren in der chinesischen Hauptstadt parallel zu einer Verbesserung der Luft­qualität zurückgegangen ist, wie Zhang betont.

    Quelle: Zhang L et al.: Air pollution-induced missed abortion risk for pregnancies. Nature Sustainability 2019. doi: 10.1038/s41893-019-0387-yaerzteblatt.de, 16.10.2019 DHZ

    Rubrik: Schwangerschaft

    Erscheinungsdatum: 17.10.2019