Hebammenversorgung in den USA

Frauen und Kinder profitieren von besserer Hebammenversorgung

Hebammen haben in den USA einen schweren Berufsstand. Obwohl viele eine akademische Ausbildung haben und die Universität sogar mit einem Master-Degree verlassen, sind sie in vielen Bundesstaaten bei den Geburten in den Kliniken nicht willkommen. Nur etwa 10 % aller Frauen werden von einer „Certified Nurse-Midwife“, „Certified Midwife“ – beide akademisch ausgebildet – oder einer „Certified Professional Midwife" betreut. In anderen OECD-Ländern liegt die Quote bei 50 bis 75 %. Gleich­zeitig ist die Mütter- und Neugeborenen-Sterblichkeit in den USA höher als in anderen Ländern und auch die Zahl der Kaiserschnitte ist hoch und die Stillquote niedrig.

Saraswathi Vedam von der University of British Columbia in Columbia hat mit Hebammen aus den USA ein „Midwifery Integration Scoring (MISS) System“ entwickelt, das die verschiedenen Aspekte Hebammenversorgung mit 0 bis 100 Punkten bewertet. Die Unterschiede innerhalb der USA sind groß. North Carolina schnitt mit 17 Punkten am schlechtesten ab, in Washington State hatten die Hebammen mit einen MISS-Score von 61 die besten Berufsbedingungen. Die Landkarte zeigt ein klares Gefälle von den Pazifikstaaten und Neuengland, wo Hebammen relativ gut vertreten sind, zum mittleren Westen und den Südstaaten, wo dies nicht der Fall ist.

Höhere MISS-Scores waren signifikant mit häufigeren vaginalen Geburten, vaginalen Geburten nach früherem Kaiserschnitt, dem Stillen nach der Geburt und nach sechs Monaten assoziiert. Dort, wo Schwangere eine Hebamme fanden, kommen signifikant weniger Säuglinge mit Kaiserschnitt zur Welt, es gibt dort weniger Frühgeburten und auch weniger Kinder mit einem zu niedrigen Geburts­gewicht. Ein höherer MISS-Score war außerdem mit einer niedrigeren neonatalen Sterblichkeit verbunden.

Ein Mangel an Hebammen ist sicherlich nicht der einzige Grund für die schlechten Startchancen von Kindern im mittleren Westen und in den Südstaaten. Nach den Berechnungen von Vedam lassen sich 11,6 % der Unterschiede in der perinatalen Mortalität durch die MISS-Scores erklären. Einen noch größeren Einfluss hatte nur noch die ethnische Herkunft. Der Anteil der Afroamerikanerinnen erklärt laut Vedam 38,5 % der Unterschiede in der neonatalen Mortalität. Ohne Zugang zu einer Hebamme haben diese besonders schlechte Chancen auf eine natürliche Geburt und ein gesundes Kind.

Quelle:

Vedam S et al.: Mapping integration of midwives across the United States: Impact on access, equity, and outcomes. PLoS ONE 2018. http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0192523. aerzteblatt.de 23.2.2018 DHZ