EPIMOMS-Studie in Frankreich

Führt die Sectio bei älteren Gebärenden eher zu Komplikationen?

  • Gerade bei älteren Gebärenden sollte die Sectio noch zurückhaltender angewendet werden, da verstärkt Komplikationen auftreten können.

  • Nach einem Kaiserschnitt kommt es häufiger zu akuten Komplikationen als nach einer vaginalen Geburt, wobei das Risiko mit dem Alter der Frau ansteigt. Dies ist das Ergebnis einer Fall-Kontroll-Studie im Canadian Medical Association Journal.

    Akute Geburtskomplikationen sind in Ländern mit einem hoch entwickelten Gesundheitswesen insgesamt selten. Unter den 182.300 Geburten, deren Folgen in der sogenannten EPIMOMS-Studie in Frankreich näher untersucht wurden, kam es bei 2.540 Frauen oder knapp 1,4 % zu einer schweren Komplikation. Sie war in mehr als der Hälfte der Fälle auf eine Uterusatonie zurückzuführen, die eine wichtige Ursache für postpartale Blutungen ist.

    Eine erste Analyse von Diane Korb vom Forschungsinstitut INSERM in Paris und MitarbeiterInnen ergab, dass der Anteil der Kaiserschnittgeburten unter den Frauen mit akuten Komplikationen mit 36,0 % deutlich höher war als in einer Kontrollgruppe von Frauen ohne akute Geburtskomplikationen (18,2 %). Das galt sowohl für geplante Sectiones (14,5 versus 8,5 %) als auch für Kaiserschnitte, die nach Einsetzen der Wehen durchgeführt wurden (21,5 versus 9,5 %).

    Um andere Ursachen nach Möglichkeit auszuschließen, führte Korb eine sogenannte Propensity-Analyse durch. Dort wurden 917 Frauen nach einer Kaiserschnittgeburt mit der gleichen Zahl von Frauen mit einer vaginalen Geburt gegenübergestellt. Dabei wurde darauf geachtet, dass sich beide Gruppen in möglichst vielen Eigenschaften ähnelten.

    Korb ermittelt hier eine adjustierte Odds Ratio (OR) von 1,8, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,5 bis 2,2 signifikant war. Eine Sectio erhöhte demnach das Risiko auf akute Komplikationen, die insgesamt selten auftreten, um etwa 80 %. Das Risiko stieg mit dem Alter der Frau. Für die Altersgruppe der über 35-Jährigen ermittelte Korb eine adjustierte OR von 2,9 (1,9-4,4).

    Ein Anstieg des Risikos mit dem Alter ist relevant, weil in den entwickelten Ländern das Alter der Schwangeren deutlich gestiegen ist. In Frankreich ist bereits mehr als jede fünfte Schwangere über 35 Jahre alt. Bei den älteren Frauen entscheiden sich die GeburtshelferInnen aber auch häufiger zu einer Sectio caesarea.

    Korb vermutet, dass die Entscheidung zum Kaiserschnitt im höheren Alter häufiger aus nichtmedizinischen Gründen getroffen wird. Diese Praxis sollte geändert werden, um zu vermeiden, dass Frauen, die älter als 35 Jahre sind, unnötig dem Risiko schwerer akuter Komplikationen ausgesetzt werden.

    Quelle: Korb D. et al.: Risk of severe maternal morbidity associated with cesarean delivery and the role of maternal age: a population-based propensity score analysis. CMAJ 2019. 191 (13) E352-E360; DOI: https://doi.org/10.1503/cmaj.181067 aerzteblatt.de, 2.4.2019DHZ

    Rubrik: Geburt