Stuhlkarten-Screening bei Neugeborenen

Gallengangatresie erkennen – Transplantation verhindern

  • Die Karte zeigt an, welche Stuhlfarbe auf eine Gallengangatresie hinweisen könnte.

  • Anfang Dezember 2016 hat die Techniker Krankenkasse (TK) 100.000 Stuhlkarten zur Früherkennung einer Gallengangatresie an die 76 stationären Geburtskliniken in Niedersachsen gesendet. Bei der Gallengangatresie handelt es sich um eine seltene Erkrankung, die die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation im Kindes- oder Jugendalter ist. Viele Neugeborene sind in den ersten Lebenstagen von einer leichten Gelbsucht betroffen, die sich meistens von selbst wieder zurückbildet. In ihrem Schatten kann sich der irreversible Verschluss der ableitenden Gallenwege unentdeckt entwickeln.

    Die Farbkarten sollen eine frühe Diagnose des irreversiblen Verschlusses der ableitenden Gallenwege ermöglichen. Ob die Karte bundesweit in das Gelbe Heft eingelegt werden wird, entscheidet eine Evaluation des Pilotprojekts, das die Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit der TK unter Beteiligung der Ärztekammer Niedersachsen durchgeführt hat.

    Wenn der Farbvergleich mit der Stuhlkarte auffällig ist, wird der Kinderarzt eine Blutuntersuchung veranlassen und das Bilirubin bestimmen. Gibt es hier ebenfalls Auffälligkeiten, sollte das Kind sofort an ein Zentrum für pädiatrische Gastroenterologie und Hepatologie überwiesen werden. Da die Ursache der Gallengangatresie bisher nicht bekannt ist, erfolgt die symptomatische Therapie ausschließlich chirurgisch.

    „Zwar wird bereits heute im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U3 auch die Stuhlfarbe der Neugeborenen mit den Eltern besprochen“, sagte Omid Madadi-Sanjani, der das Pilotprojekt in der Kinderchirurgie leitet. Da diese Untersuchung jedoch erst zwischen der dritten und achten Lebenswoche stattfinden würde, könne es für den Erhalt der Leber zu spät sein. „Neben der gelblichen Farbe von Haut und Augen kann ein entfärbter Stuhlgang ein Frühzeichen der Erkrankung sein“, erklärte Madadi-Sanjani. Einige Länder, wie etwa die Schweiz, haben daher bereits ähnliche Vergleichskarten der Stuhlgangsfarbe als Früherkennungstest eingeführt.

    Quelle: aerzteblatt, 19. Januar 2017 DHZ

    Rubrik: 1. Lebensjahr