China

Geburtenrate sinkt weiter

  • Die Rate der Geburten und Eheschließungen geht in China weiter zurück - unter anderem eine Spätfolge der langjährigen Ein-Kind-Politik.

  • Die jährliche Geburtenrate hatte nach Angaben des Statistikamtes bereits 2019 den niedrigsten Stand seit Gründung der Volksrepublik 1949 erreicht. Als Gründe wurden die hohen Kosten für Bildung und Wohnungen in China genannt. Auch geht die Zahl der Eheschließungen zurück, während die Scheidungsrate in China hoch ist.  Die Aufhebung der seit 1979 geltenden Ein-Kind-Politik in dem bevölkerungsreichsten Land hatte 2016 nur zu einem leichten Anstieg der Geburten geführt. Seither ist die Zahl jedes Jahr gefallen. Das genaue Ausmaß des Rückgangs wird sich im April offenbaren, wenn das Statistikamt - mit Verzögerung - die Geburtenzahlen für 2020 vorlegen will. ExpertInnen wiesen darauf hin, dass die jetzt berichtete Zahl der beantragten Wohnortregistrierungen nicht alle Geburten abbildet, da viele Babys nicht angemeldet werden.

    Doch der Trend ist klar: »Niemand will noch Kinder haben«, sagte der Familienplanungsexperte Yi Fuxian von der Universität von Wisconsin in den USA. Die jahrzehntelange Ein-Kind-Politik habe »das Fruchtbarkeitskonzept der Menschen verändert. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, nur ein Kind zu haben«, sagte der bekannte Autor. »Das Konzept ist tief verwurzelt und nur schwer zu ändern.«

    Auch seien die Ausgaben, um Kinder in China großzuziehen, höher als selbst in fortschrittlicheren Wirtschaftsnationen wie Taiwan oder Südkorea.  Die ExpertInnen warnen vor den wirtschaftlichen Folgen der Überalterung. »Wenn die Zahl der Arbeitskräfte geringer wird, beginnt der Niedergang der Wirtschaft«, sagte Yi Fuxian. Chinas Wachstum werde abflachen. Inwieweit sich die Corona-Pandemie auf den Rückgang der Geburten auswirkt, ist noch unklar. Ein Babyboom durch die wochenlangen Ausgangssperren für Millionen ist auf jeden Fall ausgeblieben. China hat das Virus seit dem Sommer zwar weitgehend im Griff, doch könnten die allgemeinen Unsicherheiten die Bereitschaft gedämpft haben, jetzt Kinder in die Welt zu setzen.

    Der starke Rückgang spiegelt sich in bereits vorliegenden Geburtenzahlen aus Metropolen wie Guangzhou, Yinchuan, Wenzhou und Weifang wider, die nach Presseberichten ein Minus von 9 bis 26 % zeigen. Zusätzlich hat sich das Ungleichgewicht zwischen Jungen und Mädchen weiter verschlechtert. Da männliche Nachkommen in China bevorzugt werden, weil Töchter in andere Familien wegheiraten, werden heute statistisch 117 Jungen auf 100 Mädchen geboren. Obwohl geschlechterspezifische Abtreibungen in China nicht erlaubt sind, hat sich das Verhältnis stetig verschlimmert. Der Überschuss führt auch dazu, dass viele Millionen Männer keine Frau finden und damit keinen Nachwuchs zeugen.

    Quelle: dpa, 10.2.2021 DHZ

    Rubrik: Politik & Gesellschaft

    Erscheinungsdatum: 11.02.2021