Retrospektive Kohortenstudie aus Australien

Gefahr schwerer Dammrisse bei vaginaler Geburt nach Sectio

  • Das Risiko schwerer Geburtsverletzungen ist bei einer vaginalen Geburt nach Kaiserschnitt deutlich erhöht.

  • Das Auftreten von Verletzungen, wie ein Dammriss dritten oder vierten Grades, zählt zu den schweren geburtshilflichen Komplikationen. Schätzungen zeigen auf, dass diese bei Erstgebärenden länderspezifisch unterschiedlich häufig aufzutreten scheint. Die Annahmen gehen davon aus, dass in Australien 5,3 %, in Großbritannien 6,1 % und den USA 616 % der Erstgebärenden betroffen sind.

    Bislang fehlen differenzierte Daten dazu, welchen Einfluss eine vaginale Geburt nach einem vorausgehenden Kaiserschnitt (Vaginal Birth After Caesarean/VBAC) auf die Häufigkeit des Auftretens schwerer Geburtsverletzungen bei der vaginalen Geburt haben kann. Es wurde vermutet, dass die vaginale Geburt nach Kaiserschnitt im Vergleich zu einer vaginalen Geburt bei einer Erstgebärenden mit dem erhöhten Risiko einer geburtshilflichen Analsphinkterverletzung verbunden ist.

    Durchgeführt wurde zu diesem Themenkomplex eine landesweite retrospektive Kohortenstudie in Victoria (Australien). Berücksichtigt wurden zunächst die Daten aller Geburten, die zwischen 2009 und 2014 stattfanden (n=116.047). Nach Anwendung der Ausschlusskriterien (Frühgeburtlichkeit, unsicheres Schwangerschaftsalter, Totgeburten) wurden in die Studiengruppe 4.922 Frauen eingeschlossen, die nach einem vorausgehenden Kaiserschnitt eine vaginale Geburt (VBAC) bei ihrem weiteren Kind hatten. Die Kontrollgruppe umfasste 111.125 Frauen, die eine vaginale Geburt bei ihrem ersten Kind hatten.

    Die Datenanalyse zeigte auf, dass Frauen bei einer VBAC mit 7,1 % signifikant häufiger einen Dammriss dritten oder vierten Grades als die erstgebärenden Frauen der Kontrollgruppe mit 5,7 % hatten: Die Autor: innen errechneten aus ihren Daten ein um 21 % erhöhtes Risiko für schwere geburtshilfliche Verletzungen nach einer VBAC.

    Die Autor:innen schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass Frauen bei einer VBAC, im Vergleich zu erstgebärenden Frauen ohne vorausgehenden Kaiserschnitt, ein signifikant höheres Risiko für die geburtshilfliche Komplikation eines Dammriss dritten oder vierten Grades aufweisen. Sie empfehlen, dies in der Patient:innenberatung und Leitlinienerstellung zu berücksichtigen.

    Quelle: Uebergang et al.: Risk of obstetric anal sphincter injury among women who birth vaginally after a prior caesarean section: A state-wide cohort study. BJOG 2021. https://doi.org/10.1111/1471-0528.17063 ∙ DHZ

    Rubrik: Geburt

    Erscheinungsdatum: 24.02.2022