Dreimonatskoliken

Gibt es eine evidenzbasierte Therapie?

  • Was wirklich gegen Dreimonatskoliken hilft, ist aufgrund bislang schwacher Studien nicht sicher zu klären. Chiropraktische Behandlungen können eventuell wirksam sein.

  • Die Ursachen der „Dreimonatskoliken“ sind nicht bekannt und eine evidenzbasierte Therapie gibt es nicht. Unter den zahlreichen komplementärmedizinischen Behandlungen kommen laut einer Publikation in Systematic Reviews am ehesten Probiotika, Fenchelextrakte und spinale Manipulationen infrage. Die Evidenz ist jedoch schwach.

    Rachel Perry von der Universität Bristol und MitarbeiterInnen haben 16 frühere systematische Übersichten analysiert, die Ergebnisse aus randomisierten Therapiestudien zusammengefasst hatten. Ziel der neuen Untersuchung war eine Bewertung der Meta-Analysen. Die Qualität der systematischen Übersichten wurde anhand von 16 Kriterien überprüft. Auch wurde untersucht, ob Verzerrungen („Bias“) in den Studien ausreichend berücksichtigt wurden.

    Von den 16 systematischen Übersichten hatten sich sieben mit Probiotika, drei mit chiropraktischen Manipulationen und jeweils eine mit Heilkräutern und Akupunktur beschäftigt. Die vier übrigen hatten mehrere komplementärmedizinische Behandlungen verglichen.

    Keine der Übersichten erfüllte die gestellten Anforderungen in vollem Maße. Am vielversprechendsten sind laut Perry die Ergebnisse zu Probiotika, Fenchelextrakten und chiropraktischen Manipulationen der Wirbelsäule.

    Doch diese Empfehlungen sind laut der Forscherin mit größter Vorsicht zu genießen. Praktisch alle Studien wiesen Probleme auf. Dazu gehörten eine kleine Stichprobengröße, mögliche Verzerrungen der Ergebnisse, die Messung der Ergebnisse durch Elterntagebücher, die sehr subjektiv sind, und die fehlende Verblindung der TherapeutInnen.

    Dies gelte insbesondere für die chiropraktischen Anwendungen. Dabei ist es unmöglich, Kontrollgruppen zu bilden, in denen die Behandlung nur scheinbar durchgeführt wird.

    Aber auch für Probiotika, bei denen eine Verblindung leicht möglich wäre, gibt es laut Perry keine überzeugenden Wirkungsbelege. Dies gelte insbesondere auch für die verschiedenen Babynahrungsprodukte, denen die Hersteller immer häufiger Probiotika beimischen. Dass sie vor den „Dreimonatskoliken“ schützen oder die Symptome lindern, ist nach Ansicht von Perry mit erheblichen Fragezeichen verbunden.

    Quelle: Perry R et al.: An overview of systematic reviews of complementary and alternative therapies for infantile colic. Systematic Reviews 2019. https://systematicreviewsjournal.biomedcentral.com/track/pdf/10.1186/s13643-019-1191-5 · aerzteblatt.de, 14.11.2019 · DHZ

    Rubrik: 1. Lebensjahr

    Erscheinungsdatum: 18.11.2019