Antenatale Steroidbehandlung

Hat die Lungenreifeinduktion Auswirkungen auf das Geburtsgewicht?

Die antenatale Steroidbehandlung, die bei einer drohenden Frühgeburt die Reifung der fetalen Lungen fördern soll, ist laut einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie mit einem Rückgang des Geburtsgewichts verbunden.

Die Effektivität der antenatalen Steroidgabe ist durch Studien gut belegt. Eine Übersicht der Cochrane-Collaboration kam zuletzt auf der Basis von 30 Studien zu dem Ergebnis, dass die einmalige Gabe eines Kortikosteroids die Entfaltung der Säuglingslunge unterstützt und häufig ein Atemnotsyndrom verhindert. Die AutorInnen fanden zudem Hinweise auf eine Erhöhung der Überlebenschancen, was die derzeitigen Leitlinien stützt, die zu der Prophylaxe raten.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Behandlung ohne Komplikationen ist. Ein Nachteil könnte ein vermindertes Wachstum des Feten sein. Alina Rodriguez vom Imperial College London und MitarbeiterInnen haben hierzu die Daten des finnischen Geburtsregisters ausgewertet, das alle Geburten des Landes erfasst und auch eine antenatale Steroidbehandlung dokumentiert.

Von 278.508 lebend geborenen Kindern aus Einzelschwangerschaften waren 4.887 (1,75 %) nach einer antenatalen Steroidbehandlung der Mutter geboren worden, davon 2.173 (44 %) allerdings nicht vorzeitig, sonder erst zum errechneten Termin. Die antenatale Steroidbehandlung, die ja nicht die Frühgeburt verhindert, hatte sich bei fast jedem zweiten Kind als unnötig erwiesen. Die Kinder waren demnach über längere Zeit den Auswirkungen der Steroiddosis ausgesetzt.

Ein Nachteil könnte in einer Verminderung des intrauterinen Wachstums bestehen. Rodriguez ermittelte für sehr frühe Frühgeborene (Gestationswochen 24 bis 29) ein im Durchschnitt um 61,54 Gramm niedrigeres Geburtsgewicht, wenn sie antenatal einer Steroidbehandlung ausgesetzt waren. Bei einer Frühgeburt (Wochen 30 bis 34) betrug die Differenz sogar 222,78 Gramm. Bei Kindern die zwischen der 35. und 37. Woche geboren wurden, betrug der Rückstand 159,25 Gramm und bei einer termingerechten Geburt (38. bis 41. Woche) 91,62 Gramm. Auch für die Größe der Kinder und den Kopfumfang wurden Assoziationen gefunden.

Quelle: Rodrigues A et al.: Antenatal corticosteroid therapy (ACT) and size at birth: A population-based analysis using the Finnish Medical Birth Register. PLOS Medicine 2019. doi: 10.1371/journal.pmed.1002746 · aerzteblatt.de, 28.2.2019 · DHZ

Rubrik: Geburt