Niedersachsen

Hebammenmangel bedroht Existenz von Geburtskliniken

Viele Geburtskliniken in Niedersachsen stehen massiv unter Druck, weil Hebammen und Pflegekräfte fehlen. Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) und der Hebammenverband Niedersachsen fordern eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und größere Anstrengungen bei der Ausbildung, andernfalls drohten noch mehr Schließungen von Stationen.

Vor 15 Jahren gab es in Niedersachsen 107 Krankenhäuser, in denen Kinder zur Welt gebracht werden konnten. Aktuell sind es nach Angaben der Krankenhausgesellschaft nur noch 73. Zum 1. Januar 2019 wird etwa das Krankenhaus Wittmund keine Geburtshilfe mehr anbieten können.

Werdende Eltern müssen nach Aurich, Wilhelmshaven oder Varel ausweichen. Das Helios Klinikum in Gifhorn hat seinen Kreißsaal vom 17. bis zum 22. Dezember geschlossen. Zu dem ohnehin bestehenden Fachkräftemangel seien Ausfälle wegen Krankheiten und Schwangerschaften hinzugekommen, teilte Helios mit. Das Haus zahlt Hebammen bei einer Neueinstellung eine Startprämie von 5.000 Euro.

Um den Mangel zu bekämpfen, wurde unter Federführung des Gesundheitsministeriums der Runde Tisch „Hebammenversorgung in Niedersachsen“ eingerichtet, der am 19. Dezember erneut tagte. „Die Personaldecke in den einzelnen Abteilungen ist sehr dünn. Eigentlich müsste es pro 100 Geburten im Jahr eine Vollzeitstelle geben, im Moment kommt eine Stelle auf 130 Geburten“, berichtete die Vorsitzende des Landeshebammenverbandes Veronika Bujny. Im fast 2.000 Quadratkilometer großen Landkreis Diepholz gibt es schon länger keinen Kreißsaal mehr.

„Die Ausbildungszahlen müssen wir nahezu verdoppeln. Das muss rasch gehen“, forderte Bujny. Nach Auskunft des Kultusministeriums wurden landesweit Ende 2017 an zehn mit Krankenhäusern verbundenen Schulen 253 Schülerinnen als Hebammen ausgebildet. Dies waren 50 Plätze mehr als 2016. Für 2018 dürften weitere hinzukommen. Die Landesregierung will laut Wissenschaftsministerium auch mehr Studienplätze für angehende Geburtshelferinnen schaffen. Einen Bachelorstudiengang mit 45 Anfängerplätzen bietet etwa die Hochschule Osnabrück an.

Quelle: dpa, 17.12.2018

Rubrik: Regionales