DHV

Hebammenverband kritisiert falsche Daten des GKV-Spitzenverbands

Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) wertet die Mitte Januar veröffentlichten Daten des GKV-Spitzenverbands (GKV-SV) zur Situation der freiberuflichen Hebammen in Deutschland als widersprüchlich und nicht aussagekräftig. Der Spitzenverband führt in seiner Statistik alle freiberuflichen Hebammen auf, die eine sogenannte IK-Nummer beantragt haben, also grundsätzlich eine Leistung abrechnen könnten. Das seien rund 5.000 Hebammen, an anderer Stelle spricht er von rund 3.000 geburtshilflich tätigen Hebammen.

Insbesondere die Zahl aus der sogenannten IK-Liste aber sagt nichts darüber aus, wie viele Hebammen tatsächlich geburtshilflich tätig sind. Eine genauere Schätzung bietet die Anzahl der versicherten Hebammen, da diese Voraussetzung für die Berufsausübung ist. Die Daten des DHV weisen aktuell 2.411 freiberufliche Hebammen, die Geburtshilfe leisten, aus. Beide Schätzungen geben keinen Aufschluss über die tatsächliche Versorgungslage der Frauen. Denn auch die absolute Hebammenzahl gibt keine Auskunft über den tatsächlichen Umfang ihrer Hebammenleistungen.

Der Rückgang der Zahl der Hebammen, die freiberuflich Geburtshilfe anbieten, ist auch in den ständig steigenden Haftpflichtprämien und der seit Jahren anhaltenden Unsicherheit um die gesetzliche Entwicklung begründet.

„Der GKV-SV behauptet, er könne zwischen 3.270 Euro und 6.540 Euro als Sicherstellungszuschlag auszahlen. Für uns ist nicht nachvollziehbar, was er mit dieser Summe sagen möchte. Im Vertrag festgelegt sind in jedem Fall Abzüge vom tatsächlich von der Hebamme gezahlten Haftpflichtbeitrag. Im besten Fall bleibt die Hebamme immer mindestens auf 1.953 Euro pro Jahr sitzen, die sie niemals ausgeglichen bekommt. Deshalb klagt der DHV gegen das System des Sicherstellungszuschlags, den die Schiedsstelle auf Antrag des GKV-SV festgesetzt hat.

Zusätzlich sollen DHV-Mitgliedshebammen 250 Euro abgezogen werden, weil bestimmte Vertragsunterlagen nicht vorliegen. Auch die notwendigen Vertragsunterlagen, die die Hebamme einreichen muss, sind Teil der gerichtlichen Klärung. Damit kurzfristig Rechtssicherheit für die Hebammen entsteht, hat der DHV den Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz gestellt.

Das Eilverfahren soll Hebammen schnell zu ihrem gesetzlichen Anspruch auf Haftpflichtausgleich verhelfen. Damit soll auch der Abzug von 250 Euro verhindert werden. Der GKV-SV drängt darauf, Fakten zu schaffen, die dem gesetzlichen Willen und dem Bedarf der Hebammen widersprechen. Das Eilverfahren soll genau dies verhindern“, sagt Katharina Jeschke.

(DHV, 15.1.2016)

Rubrik: Politik & Gesellschaft

Erscheinungsdatum: 15.01.2016