Harnwegsinfektionen

Ibuprofen keine Alternative zu Antibiotikum?

  • Die zunehmende Resistenz gegen Antibiotika ist ein globales Problem. Der Versuch. Blasen- beziehungsweise Harnwegsinfektionen ohne Antibiotika zu behandeln, hat sich allerdings nicht unbedingt bewährt.

  • Etwa die Hälfte der Frauen erlebt mindestens einmal im Leben eine Harnwegsinfektion aufgrund einer bakteriellen Infektion. Viele davon heilen ohne Behandlung aus und benötigen keine Antibiose.

    2010 wurde in einer Pilotstudie in Deutschland nachgewiesen, dass eine Behandlung mit Ibuprofen eine schnelle Schmerzlinderung bringt und mit genügend Flüssigkeitszufuhr bei unkomplizierten Blasenentzündungen auf Antibiotika verzichtet werden konnte. In einer großen klinischen Studie in Norwegen versuchte die Forscherin Ingrid Vik diese Ergebnisse nun zu reproduzieren.
    383 Frauen nahmen an der randomisierten, doppelt verblindeten Studie teil, 181 erhielten Ibuprofen und 178 das Antibiotikum Pivmecillinam. Weder die Patientinnen noch die BehandlerInnen wussten, wer welches Medikament erhielt.

    Nach vier Tagen fühlten sich 74 % der Frauen mit Antibiose besser, während es bei den Frauen mit Ibuprofen nur 39 % waren. Von den Frauen mit der Ibuprofen-Behandlung kam etwa die Hälfte in die Sprechstunde zurück und brauchte doch noch Antibiotika, sieben von ihnen entwickelten eine Nierenbeckenentzündung, fünf mussten sogar stationär aufgenommen werden. In der Gruppe der Behandlung mit Antibiose entwickelten die Frauen weder eine Nierenbeckeninfektion noch mussten sie stationär aufgenommen werden.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ibuprofen bei unkomplizierten Verläufen die Schmerzen gut lindert. Aber solange die Frauen mit den unkomplizierten Verläufen nicht genau identifiziert werden können, kann eine reine Ibuprofen-Behandlung ohne Antibiose nicht empfohlen werden.

    Quelle: Vik, I. et.al: Ibuprofen versus pivmecillinam for uncomplicated urinary tract infection in women—A double-blind, randomized non-inferiority tria. PLOS One 2018. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1002569 DHZ