Shunt-Operation bei Hydrocephalus

Imprägnierte Katheter vermeiden Infektionen

Ein Hydrocephalus ist der häufigste Anlass für eine neurochirurgische Operation. Die Erweiterung der Liquorräume ist entweder angeboren – etwa 1 von 500 Kindern ist betroffen – oder sie wird durch Blutungen, Traumata, Infektionen oder Tumore ausgelöst. Die Behandlung besteht in der Regel in der Anlage eines Shunts, der den Liquor in die Bauchhöhle leitet, wo er wie andere Flüssigkeiten resorbiert wird.

Leider sind die Operationen häufig nicht auf Dauer erfolgreich. Viele Shunts müssen nach einiger Zeit ausgetauscht werden. Ein häufiger Grund sind Infektionen. Sie sind mit längeren Behandlungszeiten und erheblichen Kosten verbunden.

Britische ForscherInnen haben einen mit Antibiotika (0,15 % Clindamycin und 0,054 % Rifampicin) imprägnierten Stunt entwickelt. In der BASICS-Studie („British Antibiotic and Silver Impregnated Catheters for ventriculoperitoneal Shunts“) wurde der Shunt mit einem mit Silber imprägnierten und einem nichtimprägnierten Shunt verglichen.

An der in The Lancet publizierten Studie, die das National Institute for Health Research finanziert hat, nahmen an 21 Zentren über 7 Jahre (2012–2019) 1.609 Patienten teil, ein Drittel von ihnen Kinder. Die BASICS-Studie war die bisher weltweit größte prospektive randomisierte Studie zur Shunt-Implantation bei Patienten mit Hydrozephalus. Der primäre Endpunkt war ein Shunt-Versagen aufgrund einer Infektion. Dieses Ereignis trat in den ersten 22 Monaten nach der Implantation in der Standard-Shunt-Gruppe bei 32 von 533 (6 %) auswertbaren Patienten auf gegenüber nur 12 von 535 auswertbaren Patienten in der Antibiotika-Shunt-Gruppe (2 %).

Conor Mallucci vom Alder Hey Children’s Hospital in Liverpool und sein Forschungsteam ermitteln eine ursachenspezifische Hazard Ratio von 0,38, die mit einem 97,5-%-Konfidenzintervall von 0,18 bis 0,80 signifikant war. Der mit Antibiotika imprägnierte Shunt war damit in der Lage, die Patienten vor einer Infektion zu schützen.

Mit dem silberimprägnierten Shunt gelang es nicht, das Infektionsrisiko zu senken. In dieser Gruppe musste der Shunt bei 31 von 526 Patienten (6 %) wegen einer Infektion entfernt werden. Die ursachenspezifische Hazard Ratio betrug 0,99 (0,56 bis 1,74).

Gegen den silberimprägnierten Shunt spricht, dass das Komplikationsrisiko (36 %) höher war als mit dem Standard-Shunt (25 %) und dem Antibiotika-Shunt (23 %).

Das niedrigere Infektionsrisiko verhinderte jedoch nicht, dass am Ende jeder 4. antibiotikaimprägnierte Shunt (25 %) innerhalb von median 22 Monaten ausgetauscht werden musste. Dies wurde auch bei dem silberimprägnierten Shunt (26 %) und dem Standard-Shunt (24 %) notwendig. Dass sich hier kein Vorteil zeigte, liegt an der vermutlich aus anderen Gründen begrenzten Haltbarkeit der Shunts.

Dennoch erspart die Vermeidung einer Infektion dem Patienten eine Menge Leid und den Versicherern Geld. Die durchschnittlichen Gesamtkosten für die Dauer des Untersuchungszeitraums (24 Monate) betrugen 18.707 Pfund für Standard-Shunts, 14.192 Pfund für Antibiotika-Shunts und 13.888 Pfund für den Silber-Shunt. © rme/aerzteblatt.de Dienstag, 17. September 2019

Quelle: Mallucci C et al.: Antibiotic or silver versus standard ventriculoperitoneal shunts (BASICS): a multicentre, single-blinded, randomised trial and economic evaluation. The Lancet 2019. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31603-4 aerzteblatt.de, 17.9.2019 DHZ

 

Rubrik: 1. Lebensjahr

Erscheinungsdatum: 18.09.2019