Netzwerk Gesund ins Leben

Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter

Vertreterinnen und Vertreter der relevanten Fachgesellschaften und -gruppen bewerteten 2021 in einem vom Netzwerk Gesund ins Leben koordinierten Prozess die wissenschaftliche Evidenz, unter Berücksichtigung von Umsetzbarkeit und Erreichbarkeit auch von Familien mit erhöhtem Kariesrisiko.

In einem mehrstufigen Prozess wurden gemeinsame Empfehlungen formuliert. Von der Geburt bis zum Zahndurchbruch sollten Säuglinge demnach ein Supplement mit 400–500 I.E. Vitamin D und 0,25 mg Fluorid erhalten. Nach dem Zahndurchbruch sollte das Kind behutsam und allmählich an das Zähneputzen herangeführt werden. Dabei soll entweder die Weiterführung der systemischen Fluoridanwendung (0,25 mg Fluorid und 400–500 I.E. Vitamin D) oder die Fluoridanwendung durch Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid (bis zu 2‑mal täglich, jeweils bis zu 0,125 g, Reiskorngröße) gewählt werden; das Vitamin-D-Supplement wird bis zum zweiten erlebten Frühsommer weitergeführt.

Ab zwölf Monaten wird das 2‑mal tägliche Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta (1000 ppm Fluorid) für alle Kinder empfohlen, zunächst mit einer geringen Zahnpastamenge (jeweils bis zu 0,125 g, Reiskorngröße), ab 24 Monaten mit einer größeren Menge (jeweils bis zu 0,25 g, Erbsengröße).

Um eine zu hohe Fluoridaufnahme zu vermeiden, sei eine korrekte Dosierung der Zahnpasta unerlässlich. Die Aufklärung und Beratung zur Kariesprävention und zur korrekten Umsetzung der Empfehlungen sollen im Rahmen der pädiatrischen und zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen sowie im Rahmen der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe nach § 21 SGB V erfolgen.

Quelle: Berg, B., Cremer, M., Flothkötter, M. et al. (2021). Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter. Monatsschr Kinderheilkd, 169, 550–558. https://doi.org/10.1007/s00112-021-01167-z ∙ DHZ

Rubrik: 1. Lebensjahr

Erscheinungsdatum: 12.10.2022