Baden-Württemberg

Kostenlose Periodenartikel – Tübingen, Karlsruhe und Heidelberg Vorreiter

Der Kauf von Tampons und Binden schlägt im Leben einer Frau mit hohen Summen zu Buche – Kosten, die Männer nicht haben. Diesem Mangel an Geschlechtergerechtigkeit wirken einige Kommunen im Südwesten entgegen: In Karlsruhe und Heidelberg erhalten Frauen und Mädchen im Rahmen von Pilotprojekten von September an kostenlose Binden und Tampons. In Tübingen gibt es bereits seit Anfang des Jahres 23 Binden- und Tamponspender in Schulen und öffentlichen Gebäuden sowie in zwei öffentlichen Toiletten.

Die Stadt Karlsruhe will von diesem Schuljahr an zunächst einem Gymnasium, einem städtischen Amt und allen Jugendhäusern ein Jahr lang Menstruationsprodukte gratis zur Verfügung stellen. In Heidelberg werden ab Anfang September an vier Standorten kostenlose Menstruationsartikel in Holzkistchen bereitgestellt – im Rathaus, im Bürgeramt Mitte, in einer Gemeinschaftsschule und in einem Kulturzentrum. Für das zunächst auf ein Jahr befristete Angebot werden 20.000 Euro veranschlagt. In beiden Städten ist eine Evaluation des Projekts geplant.

In Tübingen werden kostenlose Hygieneartikel unter anderem im Rathaus, in der Stadtbücherei, im Stadtmuseum und im Hölderlinturm angeboten. Die Einrichtung der Hygieneartikelspender ging auf Anträge der SPD-Gemeinderatsfraktion und des Jugendgemeinderates zurück. Die Stadt lässt sich diesen Service 10.000 Euro im Jahr kosten.

Die Stadt Heidelberg verweist auf die sogenannte Perioden-Armut: Diese erschwere einkommensschwachen Frauen wegen der Kosten für Hygieneartikel eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen und öffentlichen Leben. Einer britischen Umfrage zufolge gäben Frauen im Durchschnitt etwa 500 Euro pro Jahr für ihre Periode aus. Menstruation sei auch in Deutschland besonders für Mädchen und junge Frauen weiterhin ein schambesetztes Thema – das Projekt »perioHDe« soll dazu beitragen, dieses Tabu zu brechen.

Junge Frauen, die von der Periode überrascht werden, trauten sich nicht, andere Frauen oder Mädchen um Binden oder Tampons zu bitten, sagt Nicoline Erichsen, Mitarbeiterin im Fachbereich Geschlechtergerechtigkeit der Stadt Heidelberg. »Alle Frauen haben schon gespürt, dass das Thema nicht normal genug ist.«

Eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung würde kostenlose Menstruationsprodukte in öffentlichen Gebäuden befürworten. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprachen sich 66 % der Befragten dafür aus, Menstruierenden etwa in Gemeindezentren oder Apotheken einen unentgeltlichen Zugang zu Artikeln wie Tampons oder Binden zu ermöglichen. 18 % lehnen dies ab, 16 % der Befragten machten keine Angabe.

Quelle: dpa, 31.8.2022 · DHZ

Rubrik: Regionales

Erscheinungsdatum: 16.09.2022