Antibiotika-Gabe

Kürzer ist oftmals besser

Um die Entstehung von resistenten Bakterienstämmen, gegen die Antibiotika nichts mehr ausrichten können, zu verhindern, versuchen ÄrztInnen und WissenschaftlerInnen seit Jahren, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Das heißt bisher vor allem, sie nur dann zu verschreiben, wenn sie wirklich gebraucht werden. Doch allmählich gerät auch eine zweite Einsparmöglichkeit in den Blick: Die Dauer der Antibiotika-Einnahme. Denn bisher werden die Wirkstoffe standardmäßig für sieben oder zehn Tage verschrieben, manchmal länger. Ein historisches Relikt, wie Louis Rice erklärt, der an der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island die Medizin-Abteilung leitet: „Wir müssen jetzt wirklich genau darüber nachdenken, wie lange und wie viel Antibiotika wir geben. Denn jede Dosis, die der Patient nicht braucht, um eine Infektion zu bekämpfen, ist eine zu viel. Sie hat keinen Nutzen mehr für den Patienten. Sie fördert nur die Entstehung von Resistenzen.“

Auch Benedikt Huttner, Infektionsbiologe am Universitätsspital Bern, beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Antibiotikaresistenzen und der Vergabedauer. „Für Blasenentzündungen ist es relativ klar, dass kurze Therapiedauern ausreichen, da gibt es auch gute Studien.“ Auch für Nierenbeckenentzündungen oder Streptokokken-Angina bei Kindern würden kürzere Behandlungsdauern ausreichen, so Huttner. Oft sei es gar nicht nötig, alle Keime medikamentös abzutöten, denn ab einem gewissen Punkt gewinne das Immunsystem wieder die Oberhand und komme dann ohne Unterstützung zurecht. Hier sei in der Antibiotikatherapie ein Umdenken erforderlich.

(Deutschlandfunk 8.8.2017/DHZ)

Rubrik: Medizin & Wissenschaft

Erscheinungsdatum: 10.08.2017