Universitätsklinikum Dresden

Leitlinie zur Reanimation von Neugeborenen überarbeitet

  • Laut Leitlinie des European Resuscitation Council (ERC) ist die Ursache für einen Kreislaufstillstand bei Neugeborenen immer eine unzureichende Atmung.

  • Das European Resuscitation Council (ERC) hat seine überarbeiteten Leitlinien zur Reanimation veröffentlicht. An den Maßnahmen, die insbesondere Früh- und Neugeborene betreffen, hat Prof. Dr. Mario Rüdiger, Leiter des Fachbereiches Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden, als einziger deutscher Vertreter mitgewirkt.

    »Das Besondere bei den Empfehlungen für Neugeborene ist, dass es sich nicht nur um eine Leitlinie für die Wiederbelebung handelt,« erklärt Prof. Dr. Mario Rüdiger, »sondern vielmehr dargelegt ist, wie die Kinder nach der Geburt unterstützt werden sollen, damit sie die Anpassung an das Leben außerhalb des Mutterleibes ohne Probleme meistern«.  Ungefähr 15 % aller Neugeborenen bräuchten nach der Geburt eine gewisse Unterstützung, allerdings werden nur 0,5 % wirklich wiederbelebt. Dieser Unterschied zu den restlichen Reanimationsempfehlungen wäre bereits 2015 betont worden und hätte auch in den aktuellen Empfehlungen wieder Berücksichtigung gefunden. Während bei Erwachsenen das Herz sehr häufig die Ursache eines Kreislaufstillstandes sei, läge die Ursache bei Neugeborenen immer in einer unzureichenden Atmung. Dementsprechend würden die Empfehlungen für die Laienreanimation von Kindern und Neugeborenen in den vergangenen Jahren die Durchführung von Herz-Druck-Massagen fokussieren – Neugeborene hingegen würden im Notfall eher eine Beatmung benötigen.

    Eine weitere Besonderheit der Empfehlungen für Neugeborene sei, dass es einen sehr großen Unterschied mache, ob das Neugeborene extrem unreif ist und bei der Geburt nur 500 Gramm wiegt oder es im Rahmen einer Komplikation unter der Geburt mit zu wenig Sauerstoff versorgt wurde. Das adäquate Vorgehen unterscheide sich daher erheblich und habe einen maßgeblichen Einfluss darauf, ob langfristige Schäden resultieren können.

    Mit den zunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den normalen Abläufen im Rahmen der nachgeburtlichen Anpassung ändern sich auch die Empfehlungen, wie die Neugeborenen zu unterstützen sind. So lägen Daten aus großen klinischen Studien vor, die zeigen, dass insbesondere Frühgeborene davon profitieren, wenn sie nach der Geburt mehr als 60 Sekunden angenabelt bleiben und in dieser Phase möglichst schon die Atmung von allein einsetzt. Auch der Umgang mit der Gabe von zusätzlichem Sauerstoff habe sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr stark geändert. Während vor 20 Jahren noch jedem Neugeborenen mit Problemen 100 % Sauerstoff verabreicht geworden wäre, wisse man heute, dass dieses Vorgehen schädlich ist. Dementsprechend sei man heute sehr vorsichtig und reguliere die Zufuhr in Abhängigkeit von der Reife der Neugeborenen und der gemessenen Werte.

    »Es ist sehr wichtig, das Vorgehen immer wieder mit der wissenschaftlichen Evidenz abzugleichen«, so Rüdiger, »ansonsten laufen wir Gefahr, mit gut gemeinten Maßnahmen eher einen Schaden anzurichten«.

    Quelle: Neonatologie & Pädiatrische Intensivmedizin Universitätsklinikum Dresden, 21.4.2021 DHZ

    Rubrik: 1. Lebensjahr

    Erscheinungsdatum: 22.04.2021