Antibiose in der Schwangerschaft

Makrolid-Antibiotika im Verdacht Fehlbildungen auszulösen

Die Makrolide Azithromycin, Clarithromycin und Erythromycin zählen zu den sichersten Antibiotika. Deshalb sind sie auch in der Schwangerschaft bevorzugte Mittel, wenn Penicilline nicht infrage kommen. In einer Analyse der „Clinical Practice Research Datalink“, den elektronischen Krankenakten, lag der Anteil der Mütter, denen im Verlauf der Schwangerschaft wenigstens einmal ein Antibiotikum verschrieben wurde, bei 31 %. Am häufigsten wurden Penicilline verordnet, die als sicher für die Ungeborenen eingestuft werden.

Makrolide zählen zu den Reservemedikamenten. Ihre Sicherheit ist allerdings umstritten. Bedenken bestehen vor allem gegenüber Clarithromycin, das in tierexperi­mentellen Studien die embryonale Entwicklung von Ratten gestört hat. Für Azithromycin wurde ebenfalls ein teratogenes Potenzial beschrieben. Erythromycin wird besser eingestuft, weil die Plazentagängigkeit relativ gering ist.

Heng Fan vom University College London und MitarbeiterInnen haben in einer Analyse gezielt nach der Häufung von Fehlbildungen bei Kindern gesucht, deren Müttern in der Schwangerschaft ein Makrolid verschrieben worden war. Tatsächlich wurden bei den Kindern häufiger schwere Fehlbildungen beobachtet, als bei Kindern der Frauen, die ein Penicillin erhalten hatten. Am deutlichsten war dies im ersten Trimenon. In diese Phase fällt die Entwicklung der Organe. Die Embryogenese ist besonders anfällig für teratogene Schäden. Am deutlichsten war das Risiko für kardiovaskuläre Fehlbildungen.

Das absolute Fehlbildungsrisiko ist gering. Fan schätzt, dass der Einsatz eines Makrolids statt eines Penicillins im ersten Trimenon zu 4,1 zusätzlichen schweren Fehlbildungen führen könnte – falls der Assoziation eine Kausalität zugrunde liegt. Dies lässt sich in einer epidemiologischen Studie niemals sicher beweisen. Zusammen mit den Hinweisen aus den tierexperimentellen Studien muss das Risiko jedoch ernst genommen werden.

Quelle: Fan et al.: Associations between macrolide antibiotics prescribing during pregnancy and adverse child outcomes in the UK: population based cohort study. British Medical Journal 2020. doi: https://doi.org/10.1136/bmj.m331 aerzteblatt.de, 21.2.2020 DHZ

Rubrik: Schwangerschaft

Erscheinungsdatum: 24.02.2020