Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin

MedizinerInnen warnen vor Wettbewerb um immer jüngere Frühgeborene

Nach der Geburt eines der weltweit jüngsten Frühgeborenen hat eine wissenschaftliche Fachgesellschaft vor einem zweifelhaften Wettbewerb von MedizinerInnen und Kliniken gewarnt. „Ich halte nichts von der Diskussion um Rekord-Frühchen“, sagte die Präsidentin der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, Ursula Felderhoff-Müser. Die Professorin am Uni-Klinikum Essen erklärte: „Die Leistung ist nicht nur, dass die extrem unreif geborenen Kinder überleben, sondern auch, wie danach die Lebensqualität ist. Bei vielen sehr jungen Frühchen werden erst im Laufe der Zeit die Folgeschäden sichtbar. Es sollte kein Wettlauf entstehen, wer die jüngsten Frühchen überleben lässt.“

Das Klinikum Fulda berichtete Anfang Juni im Detail, wie ÄrztInnen einem Mädchen nach einer Geburt zu Hause das Leben retteten. Es kam am 5. März 2019 nach 21 Wochen und vier Tagen zur Welt und gilt nach Angaben des Klinikums neben einem Frühgeborenen, das 2014 in den USA geboren wurde, als jüngstes Frühgeborenes der Welt. Vor kurzem wurde das Kind nach gut 13 Monaten im Krankenhaus entlassen.

Der Vorstandssprecher des Klinikums Fulda, Thomas Menzel, sagte, es gehe nicht um einen Wettkampf oder eine Tabelle, wer das jüngste Frühgeborene behandelt habe. Der Leiter der Fuldaer Kinderklinik, Reinald Repp, betonte, man habe nicht gewusst, wie alt die Kinder waren, als sie mit dem Notarztwagen eingeliefert wurden. Der Zwillingsbruder starb noch am ersten Tag nach seiner Geburt. Mit Blick auf die Behandlungserfolge der vergangenen Jahre hätten sie im Klinikum aber die Zuversicht gehabt, die Schwester erfolgreich zu behandeln.

Quelle: dpa, 4.6.2020 DHZ

 

Rubrik: 1. Lebensjahr

Erscheinungsdatum: 10.06.2020