Fetale Bewegungen

Muskeltraining im Mutterleib

Jede Schwangere bemerkt zur Mitte der Schwangerschaft, dass sich ihr Kind zu bewegen beginnt. In der Regel verursacht das keine Beschwerden, hin und wieder versetzt der Fetus der Mutter jedoch einen schmerzhaften Tritt. Mit modernen Magnetresonanztomografen können die Bewegungen des Kindes heute in Echtzeit als „Cine-MRT“ aufgezeichnet werden. Ein Team um Niamh Nowlan vom Imperial College London hat die Aufnahmen von fünf Schwangeren, die mehrfach untersucht worden waren, ausgewertet. Aus der Länge der Extremitäten und der Muskulatur haben sie die Kraftentwicklung berechnet.

Die größte Beweglichkeit entfalteten die Feten in der 20. Schwangerschaftswoche. Die Uteruswand wurde dann durch die Bewegungen um bis zu 16 mm gedehnt. Danach nahm die Flexibilität der Uteruswand ab, vermutlich weil es langsam eng wurde im kleinen Becken. Die Kraft des Feten nahm allerdings zu. Um die 30. Woche erzielten die Feten nach den Berechnungen von Nowlan eine Kraft von bis zu 49 Newton, was in etwa fünf Kilopond entspricht. Danach lässt die Kraftentwicklung wieder nach. Die zunehmende Enge im Uterus erlaubt dem Feten keine großen Bewegungen mehr. 

Die Bewegungen im Mutterleib sind für das Kind wichtig, glaubt Nowlan. Sie fördern die Entwicklung der Muskulatur und des Knochens, was dem Kind bei der Geburt zugutekommt. Die Enge im Uterus gegen Ende der Schwangerschaft soll die Ausbildung der Gelenke fördern.

Quelle: Verbruggen SW et al.: Stresses and strains on the human fetal skeleton during development.J. R. Soc. Interface 2018. 15: 20170593. http://rsif.royalsocietypublishing.org/content/royinterface/15/138/20170593.full.pdf ∙ aerzteblatt, 27.2.2018 ∙ DHZ