DHV

Nachbesserungen bei Familienhebammen in der „Bundesinitiative Frühe Hilfen“ gefordert

Hebammen üben einen Gesundheitsfachberuf aus und arbeiten autonom in einer Vertrauensstellung für Frauen und Familien. Die Praxis der Anbindung der Familienhebammen an die Jugendhilfe im Kontext der Frühen Hilfen zieht deshalb immer wieder Probleme nach sich. Der Hebammenverband weist insbesondere auf die bisher oft ungeklärte Rechtssituation, eine geringe Honorierung und eine fehlende Abgrenzung der Hebammenhilfen bei den Frühen Hilfen zu anderen beteiligten Professionen hin. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) fordert deshalb anlässlich der Halbzeitkonferenz der Bundesinitiative Frühe Hilfen, dass alle Familienhebammenleistungen in das SGB V übernommen werden.

„Familienhebammen haben durch ihre Vertrauensstellung bei den Familien eine Schlüsselrolle in den Frühen Hilfen. Sie leisten damit wichtige und unterstützenswerte Arbeit. Derzeit sind jedoch viele Stellen unbesetzt. Wir erwarten, dass nach einer Klärung des rechtlichen Rahmens wieder mehr Hebammen in die Frühen Hilfen gehen. Als Schlüssel sehen wir dazu die Aufnahme auch der Familienhebammenleistungen in das SGB V, in dem die Hebammenhilfe ja verortet ist“, meint Martina Klenk, Präsidentin des DHV. Hebammen sollten ihre Leistungen über die Krankenkassen abrechnen können. Sie sollten den Gesundheitsämtern oder Schwangerenberatungsstellen zugeordnet sein. Rechtsunsicherheiten bestehen im Moment bei der Aufsicht der Familienhebammen zwischen Gesundheits- und Jugendämtern und bei der Abrechnung der Hebammenleistungen.

Auch hinsichtlich der parteilichen Arbeit der Hebammen für die Familien und der Schweigepflicht ergeben sich Probleme in der Praxis. Eine Überwachungsfunktion des Kindes in Vertretung des Jugendamtes sollte eine Hebamme nicht ausüben müssen, sondern eine Fachkraft der Jugendhilfe bei Gefährdung des Kindeswohls eingesetzt werden. Diese Überschneidung der Hebammenhilfe mit der Tertiärprävention bewertet auch der aktuelle Zwischenbericht der Bundesregierung zur Bundesinitiative Frühe Hilfen als problematisch. Der DHV fordert hierzu konkrete Lösungsvorschläge, um schnell Abhilfe zu schaffen.

Zudem ist es Anliegen des DHV, dass der Einsatz des Budgets der Bundesinitiative Frühe Hilfen nicht vorrangig für den Aufbau von Verwaltungsstrukturen eingesetzt wird, sondern für die konkreten Hilfen vor Ort und die Leistungen der Familienhebammen. Wünschenswert wäre zudem nach Einschätzung des DHV, wenn die Frühen Hilfen bereits in der Frühschwangerschaft einsetzen, um Gesundheitsvorsorge so früh wie möglich zu beginnen.

(Pressemitteilung DHV, 14.11.2014)

Rubrik: Politik & Gesellschaft

Erscheinungsdatum: 18.11.2014